Die Felsentempel von Dambulla

Es ist schon fünf Uhr nachmittags, als wir aufbrechen. Eigentlich erwarte ich einen touristenüberfüllten Tempel, doch wir sind die Einzigen. Gleich neben der Straße ist ein weiter Platz, nach dem ein Felsentempel-eingang zu sehen ist. Ein Löwenkopf, zwei Tatzen, zwischen denen eine Treppe hinaufgeht. Weit oberhalb erhebt sich eine Buddhafigur, die zur Zeit noch gebaut wird. Dann soll sie die Größte Sri Lankas werden, 30m hoch. Noch höher also, als die Statue in Dikwelle, am unteren Ende des Landes. Das gesamte Bauwerk wird aus Ziegeln gemauert. Darauf kommt dann eine Schicht Putz, die dem Buddha sein eigentliches Aussehen verleiht. Vielleicht wird sie am Schluß auch noch bemalt.
Ein Mönch, mit geschorenem Kopf geht vorbei, er ist der "Obermönch" dieser Anlage (wie auch immer sein Titel ist), würdevoll und ruhig überquert er den Platz, das Ende seines Saris über den Unterarm gelegt. Ein anderer Mönch fegt Blätter beiseite, nur wenige Einheimische gehen um diese Zeit hinauf um im Tempel zu beten.
Links neben diesem späteren Haupteingang (der zur Zeit aussieht, als wolle es ein Nobelhotel werden), geht es nach oben. Zu unserem eigentlichen Ziel.
Viele Stufen führen hinauf zum eigentlichen Felsentempel, der in vielleicht 300m Höhe liegt. Unterwegs haben wir einen weiten Ausblick auf die Landschaft. Es ist verhangen, die Sonne brennt nicht mehr. Unter uns der Dschungel, Palmen, runde Bergkuppen, bis oben bewaldet, in der Ferne ist Sigiria zu sehen, sieht von hier aus wie einer der Felsen in Monument Valley/USA.
Auf einem Plateau werden Tempelaffen gefüttert. Daher drückt sich eine Familie Makaken herum, mit Babys im Arm, einander lausend, immer einen Blick zu den Leuten, ob sie Futter gekauft haben von den fliegenden Händlern.

Bevor sich ihr Kind zu weit entfernt, geht die Affenmutter lieber auf Nummern sicher.

Der Tempeleingang im Neubau. Sieht irgendwie wie ein Hotel aus

Die riesige Statue ist aus Ziegeln gemauert, am Rücken bekommt sie einen Umhang geformt

Weit kann man über das Land sehen, der Wind pfeift, es ist fast kühl

Im Inneren darf man nicht fotografieren. Das ist ein Werbe-presse-foto

Die Größe läßt sich schwer vorstellen, hier ist es etwas besser sichtbar.


Die ersten Verkäufer überfallen uns, Postkarten, Geschnitztes, Messingdosen. Kein Interesse, hübsch sind die Sachen schon, doch wohin damit zu Hause?
Ganz oben bläst der Wind. Fast ein Sturm, wir kneifen die Augen zusammen, in den Ohren rauscht es, selbst wenn die Sonne scheinen würde, wäre es kühl und keiner würde merken, wie er sich die Haut verbrennt.
Am Eingangstor ziehen wir die Schuhe aus, bekommen den strengen Hinweis, im Inneren sei Fotografieren und filmen verboten. An der Wand hängen zur Abschreckung herausgezogene Filme. Seit einem Affront, bei dem eine Touristin sich auf einem der Buddhas sitzend hatte fotografieren lassen, nehmen es die Einheimischen - verständlicherweise -sehr genau. Damals, vor ca 3Jahren, war dieses Bild auf den Titelseiten aller Zeitungen und führte dazu, daß über Eintrittsgelder und Fotoverbote für Ausländer neu nachgedacht wurde. Man munkelt sogar, daß dieses Foto vielleicht zu diesem Zwecke inszeniert war, auf jeden Fall jedoch sind nun in vielen Tempeln saftige Preise zu zahlen, in wichtigen Heiligtümern ist das Fotografieren ganz verboten.
Dambulla ist einer der bedeutendsten Tempel der Buddhisten. Vor 2500Jahren wurde der 14m lange Buddha geschaffen, der in einer Höhle liegt, auf einem Steinpodest. Das heißt, die Höhle, der Buddha und das Podest bestehen aus demselben Stein! Der Hohlraum also wurde herausgeschlagen. Und mit Werkzeug vor 2500 Jahren!
Wir betreten die Höhle, ein paar abgetretene Holzstufen hinab, und stoßen bereits fast an die Figur. Links und rechts verschwindet sie im Dunkel, nur schwach von Kerzen beleuchtet. Die Höhendecke ist niedrig, vielleicht nur 2,50m. Nachdem die Augen sich daran gewöhnt haben, sind Fresken an der Decke zu erkennen. Sie kamen erst später dazu.
Dieser Buddha ist bereits ins Nirwana eingegangen. Man kann es an der Haltung der Füße erkennen. Beim schlafenden Buddha liegen die Zehen exakt übereinander, beim gestorbenen sind sie leicht versetzt.
Es gibt noch vier weitere Höhlen, alle zu betreten über einen überdachten Gang, der sich unter einen Felsüberhang schmiegt. In jeder stehen zig Buddhafiguren, jede 2m groß, manche stehend, die meisten meditierend. Steinbänke stehen davor. Jeder Gläubige soll einen eigenen Buddha zum beten vorfinden, denn ein einziger wäre nicht genug. Spärliches Licht beleuchtet die Höhlen, die Decken sind mit unzähligen Buddhabildnissen bunt bemalt.

Panoramablick über das Tal.


In einer der Höhlen steht ein Brunnen, heiliges Wasser enthält er, sagt Joachim. Denn anders als sonst fließt das Wasser hier nicht nach unten, sondern steigt im Felsen nach oben und tropft dann aus der Höhlendecke in diesen Brunnen.
Wir gehen zurück zum Eingang. Lärmend kommt eine Gruppe junger Mädchen zum besichtigen oder beten. Schulmädchen in weißen Uniformen nähren sich bereits. Obwohl es Samstag abend ist, machen sie einen Schulausflug. Stöhnen die Stufen hinauf, lachen, albern, halten einander an der Hand.
Es geht die Stufen wieder hinunter, ein Bettler liegt auf dem Boden, sehr mager, vielleicht 40 Jahre alt mit Stoppelbart, ein halbes Bein amputiert. Er sieht wirklich bedürftig aus, wir geben ihm 20Rs, er bedankt sich. Viele Bettler vertrinken ihre Spenden auch nur. Es ist seine Entscheidung. Nein, sagt Joachim, Behinderte bekommen in Sri Lanka keine Unterstützung vom Staat. Schweres Los.

 

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