Unterwegs
mit dem Auto
Wir haben uns entschlossen, eine kleinenRundreise von drei Tagen zu machen.
Ein guter Ausgangspunkt ist hier, die großen Sehenswürdigkeiten "nur"
jeweils 150km entfernt. Für deutsche Verhältnisse ein Katzensprung,
doch hier sollte für das Vorwärtskommen mit dem PKW eine Durchschnittsgeschwindigkeit
von 30kmh angesetzt werden. Also sind es Strecken von drei, vier, fünf
Stunden.
Joachim überlegt, sein privater Wagen ist auch auf Tour. Er muß einen
mieten für uns mitsamt Fahrer. Schließlich findet er, es sei besser,
uns zu begleiten.
"Ich kann euch mehr zeigen als nur der Fahrer, ich kenne mich dort überall
aus und weiß auch die nicht so bekannten Sachen. Es ist schon besser,
wenn ich mitkomme, es soll euch doch gefallen!" Er tut sehr viel für seinen
guten Ruf.
Morgens um neun brechen wir auf. Ganz überraschend haben wir keinen Van,
sondern einen fast neuen, weißen, klimatisierten, sehr sauberen Toyota
Corolla bekommen. Sein stolzer Fahrer heißt Deepal:
"Vorher habe ich bei der Telecom gearbeitet, aber da hat es mir nicht gefallen.
Ich habe erst kürzlich gekündigt und seit anderthalb Monaten den Wagen.
Das ist seine erste große Fahrt!" Deepal ist ein netter Kerl, seine Hautfarbe
ist fast ganz dunkel, seine Augen lachen immer, er spricht ein gutes Englisch
mit vielen Fachwörtern, die ich schon gar nicht mehr kenne, Joachim spricht
mehr ein Gebrauchsenglisch, oft gewürzt mit deutschen Begriffen:
"And then we go to Zahntempel" oder
"He wanted to get Foto with Schlange..." sagt er, genauso wie
"Because of the Holz..." drollig.
Bei den Gesprächen mit Deepal müssen wir in Gedanken jedoch öfter
im Wörterbuch nachschlagen.
Wir fahren durch Negombo. Eigentlich dachte ich, Negombo sei ein Badeort, sehe
nun aber, daß es auch einen großen Ort Negombo gibt, außerhalb
der Badehotels.
Katholische Kirchen gibt es, die irgendwie nicht in die Landschaft passen. Am
Rückspiegel in unserem Wagen hängt ein Jesuskreuz, hier in der Gegend
um Colombo sind alle katholisch. Übrigens - ich stelle fest, daß
hier sehr oft der Name "Fernando" auftaucht. An Geschäften, Aushängen...
das sind die Reste der Massentaufen, damals, als die Missionare in das Land
kamen, wurden ganze Dörfer auf einen Familiennamen getauft. Wie man das
auseinander halten kann?
Vorbei am Fischmarkt geht die Fahrt, ein Mann spritzt Reste mit einem Wasserschlauch
vom Boden. Fischgeruch hängt in der Luft. Krähen schlagen sich um
die Reste im Rinnstein.
Katamarane sind zum Fang hinausgefahren, nicht weit. Die großen Kähne
jedoch fahren drei Monate lang hinaus und fangen Schrimps. Bis zu den Malediven.
In einem schmalen Kanal, der sehr an Venedig erinnert, dümpeln Plastikboote
vor sich hin. Fischer waschen ihre Netze, ein Motorboot zwängt sich vorbei,
die Fischer winken und rufen uns zu.
In der "Bank of Ceylon" tauschen wir Geld. Wachmänner lassen uns ein, einer
nach dem anderen. Die innere Tür öffnet sich nur, wenn die äußere
geschlossen ist. Ein Verbotsschild hängt an der Tür. Messer, Pistolen,
Handgranaten, Bomben sind durchgestrichen. Wo muß man die abgeben?
Kinder in Uniformen sehen wir überall. Jede Schule hat dabei wohl ihr eigenes
outfit. Ganz in weiß mit farbigem Schlips, mit hellblauen Röcken,
oder dunkelblauen Hosen. Jedoch immer irgendeine Kombination aus blau und weiß.
Ältere Jungs lachen, ihre Zähne leuchten weithin, stänkern miteinander,
schubsen sich an. Mädchen mit langen dunklen Zöpfen gehen Hand in
Hand, tuscheln. Kleine Jungs werden von ihren Müttern zur Schule gebracht,
Mädchen von ihren Vätern abgeholt, sitzen auf Fahrrädern, in
Tuk-Tuks, hinten auf Mopeds, tragen ihre Bücher in der Hand, die Brotbüchse
um den Hals, was für liebevolle Bilder.
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Irgendwo
unterwegs: Die Straßen sehen immer gleich aus. |
Männer tragen Sarong, so heißt der Rock, der eigentlich ein Stoff-schlauch ist. Die Fahrräder sind oft aus Indien und uralt. " |
Auch in diesem Sri
Lanka Besuch fällt mir auf, daß es gar keine Kinder gibt, die weinen.
Wenn, dann wirklich nur für eine Minute, dann werden sie hochgenommen,
oder getröstet. Es gibt auch keine Kinder, die quängeln, kein Wutgeschrei
ist zu hören. Fast alle Mütter tragen ihre Kinder auf dem Arm. Ganz
kleine Babys, in weiße Tücher eingewickelt, ältere Kinder schlafen
auf der Schulter oder liegen quer auf dem Schoß der sitzenden Mutter oder
Oma. Auf der Schulter sitzen kennt man hier nicht. Nirgendwo gibt es Kinderwagen
oder irgendwelche Behelfsmittel für den Transport. Ältere Geschwister
schleppen ihre kleinen Brüder, ganz selbstverständlich robben oder
kriechen die Kleinsten über den Boden, wenn sie gerade Lust dazu haben.
Niemand nimmt sie hoch und putzt sie ab oder schimpft. Kleine Mädchen tragen
goldene Ohrringe, nette Kleidchen, einen dunklen Fleck in der Mitte der Stirn.
Das ist das Zeichen für "süß" oder "niedlich". Jungs spielen
am Straßenrand, rollen alte Fahrradreifen vorwärts, hüpfen mit
einem ausgedienten Besen. Gutgekleiete Väter tragen ihre Kinder stolz durch
die Straßen.
Kein Wunder, daß die Kinder, wenn sie erwachsen sind, so viel lächeln.
Wir kommen weiter ins Hochland. Palmenhaine wechseln ab mit Reisfeldern, vietnamesisch
aussehende Büffel grasen gemütlich, Ochsenkarren wackeln die Straße
entlang. Kleine Traktoren, die aussehen wie Motor mit Rädern und Lenkstange
- also irgendwie wie Rasenmäher - ziehen überladene Hänger mit
Kokosschalen. LKWs, bunt bemalt und mit reichlich Schnitzwerk verziert, wirken
ein bißchen wie Zirkusanhänger.
Was mir immer wieder gefällt, sind die Überholmanöver. Seltsamerweise
muß immer dann, wenn wir jemanden überholen, der auch gerade einen
überholen. Sei es ein Fahrrad, ein Tuk-Tuk oder Ochsengespann. Und seltsamerweise
muß auch gerade dann Gegenverkehr kommen, der seinerseits jemanden überholt.
Hier kann keiner fahren, der nicht genau weiß, wie breit sein Auto ist!
Man fährt auf "Lackabstand".
Es funktioniert auch, daß sich zwei LKWs am Berg überholen! Der Gegenverkehr
wartet dann, bremst oder fährt ins Grüne, der Beifahrer des Übeholenden
gibt Handzeichen, daß der Überholte mal warten soll, alles klappt,
keiner regt sich auf.
Blinker hat zwar ein jedes Fahrzeug, doch die Verwendung war mir nie ganz klar.
Außerdem blinken sie nicht, sie flackern. Mancher gibt damit tatsächlich
ein Überholmanöver kund, mancher sagt damit, man könne überholen,
mancher hat auch einfach vergessen, daß er noch blinkt. Nicht jeder hat
auch Rückspiegel. Daher muß ein Überholmanöver mit hupen
angekündigt werden, damit der Andere zur Seite fährt. Das tun die
meisten auch, selbst dann, wenn sie gerade einen anderen Verkehrsteilnehmer
an der Seite haben.
Zwar haben viele Busse und LKWs Beulen und rostige Schrammen, doch nirgendwo
haben wir einen Unfall gesehen! Hin und wieder blieb ein Fahrzeug liegen und
wird gleich auf der Straße repariert, aber gekracht hat es nirgendwo.
Seltsam, es geht anscheinend ohne Verkehrsregeln am Besten! In Deutschland gibt
es statt Verantwortung Gesetze.
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