Deutschlands Chaos
Wir sind wieder zu Hause. Sri Lanka unterscheidet sich von Deutschland in
einigen wesentlichen Punkten. Mal abgesehen vom wärmeren Wetter, von Palmen-
den schönsten Bäumen der Welt, vom Lächeln seiner Bewohner, gibt
es natürlich auch nervenden Menschen dort. So wie überall. Freche,
Dreiste, Geile, Hinterhältige und Egoistische. Ein wenig trübt das
den Urlaubsgenuß, wenn man voll Symphatie in ein Land kommt. Egal in welches.
Jedoch sind nur zwei Situationen in Deutschland nötig, um mir klar zu machen,
was ich gerade verlassen habe.
Es ist der erste Tag zu Hause, noch riecht die Wohnung fremd und sieht seltsam
unvertraut aus, da höre ich vom Balkon aus meine Nachbarin schreien.
Sie tobt - wie üblich - in ihrer Wohnung: sie hätte jemanden getroffen,
der "Rotzfrech!!" irgend etwas gesagt oder gemacht hätte. Sie kriegt sich
gar nicht mehr ein.
Ich höre hin und bin eigentlich nur.... traurig. Rotzfrech - niemand wäre
in Sri Lanka auf die Idee gekommen, sich darüber aufzuregen. Wenn es etwas
gewesen wäre, das zu ändern wäre, dann hätten sie es geändert.
Wenn nicht, hätten sie sich auch nicht aufgeregt. Wozu auch? Was ist das
für ein Land, in dem das Aufregen über dem Handeln steht? Ein "Theroretisches".
Eins, wo reden und schwafeln wichtiger als alles andere ist.
Am anderen Tag kommen wir mit unserem Auto in unserer Straße an. Vor uns
steht ein anderer Wagen, einfach so, wartend, wir überholen ihn, bemerken
erst hinterher, daß er wohl einparken wollte. Doch wieso stand er dann
die ganze Zeit herum?
Sri Lankas Fahrpraxis in den Knochen, in der sich jeder für jeden verantwortlich
fühlt und es nur um "Hauptsache unfallfrei ankommen" geht, statt um irgendwelche
Machtkämpfe, haben wir ihn eben einfach überholt.
Prompt steigt der Fahrer aus, macht sich sogar den Umstand uns mehrere Meter
hinterherzulaufen, nur um uns zu beschimpfen, ob wir die Fahrerlaubnis auf dem
Jahrmarkt gemacht hätten.
Ich sehe ihn nur an, er tobt, fühlt sich völlig im Recht, und ich
fühle nur ... Trauer in mir. Kein Aufregen, keine Wut.
Wozu auch. Wütend ist man, wenn man etwas schützen will. Was soll
ich schützen? Nichts von alledem, was ich hier erlebe, erscheint mir bewahrenswert.
Im Gegenteil, es ist so krank, daß ich mich nach Frechheit, Dreistigkeit,
Hinterhältigkeit und Egoismus in Asien sehne. Alles mit einem Lächeln,
und alles ohne andere dafür zu hassen, daß sie anders sind.
Willkommen in Deutschland.
|
|
|
|
|
Mail an mich: |