Der Müllstrand - vorne toll,
hinten voll
Morgens beginnt der Hahn sein unerfreuliches Konzert, ein Beo ruft in durchdringenden
Tönen, Streifenhörnchen lassen ihr helles "bing! bing! bing!" ertönen,
kaum zu glauben, dass so ein kleines Tier so einen Krach machen kann. Auch die
Krähen erwachen, eintönig dringt "kraaah, kraaaah, kraaah" durch den
Garten. Die erste Nacht war erstaunlich gut für 30°C, hohe Luftfeuchtigkeit
und ein Moskitonetz, das die Ventilatorwirkung aussperrt.
Wir wollen uns den Strand ansehen, von dem wir wissen, dass er nicht zum baden
einläd. Bei dem schönen Pool, den wir haben, wollen wir das auch gar
nicht.
Nur hundert Meter hinter dem Temple Flower schlagen die Wellen des indischen
Ozeans ans Ufer. Wir gehen die Straße entlang, einen schmalen, fast zu
übersehenden Pfad zwischen den Häusern hindurch zum Strand. Hühner
gackern in den Gärten auf dem Sandboden, Frauen sehen uns nach, lachen,
grüßen höflich. Wir steigen über den ersten Müll,
die Einwohner werfen eben alles hinter das Haus.
Schmal und gelb ist der Strand, die Wellen bringen allen Schmutz des nahen Industriegebietes
in Colombo mit, sie sind braun und sehr stark. Pfeifend rauscht das Wasser zurück
ins Meer, die Unterströmung hier muss mörderisch sein. Angesichts
dieser Wellenkraft frage ich mich, wer auf die Idee kommen könnte, hier
baden zu wollen. Steine, ausgewaschen und grau, verhindern, dass die Wellen
den ganzen Sand abtragen. Oberhalb, am Wellenauslauf liegt, was sie mitgebracht
haben. Müll aller Arten, er schließt sich an die Müllhalden
der Einheimischen an, die alles, was Plastik oder brennbar ist, hier abladen
und ab und zu verbrennen.
Ein alter Mann kommt aus seinem Haus, einen schwarzen Plastikbeutel in der Hand,
wirft ihn ans Ufer und geht. Die Wellen nehmen ihn langsam mit. Man müsste
annehme, sie würden ihn zurückspülen, doch bei der Strömung
hier ist er schnell verschwunden - und landet irgendwo anders am Strand.
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Der Strand in Pammunugama. Weit kann man laufen, ohne jemandem zu begegnen. Zum baden ist es jedoch nicht geeignet - die Wellen sind stark. |
Dreht man sich um, sieht man das. Vor den kleinen Hütten staut sich der Müll. Jeder wirft an den Strand, was er nicht braucht |
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In der Ferne leuchten die Bürotürme vom Colombo. Von hier sind es dreißig Kilometer bis ins Zentrum. |
Am Ufer blättert
sich ein Schulheft im Wind auf. Ich bin neugierig, sehe hinein. Mathe - irgendetwas
mit Dreiecksberechnung, singalischer Schrift, auch einer Benotung in Rot - nur
was das Kind bekommen hat, ist nicht klar. Vielleicht war ja auch das der Grund,
es wegzuwerfen.
Rasierklingen liegen herum, Flaschen aller Arten, Fischgräten, ein Tonband-band
schlängelt sich durch die Büsche, halbe Kokosnüsse... hier darf
man nur nach einer Seite sehen.
Ich finde es dennoch schön hier, denn es ist möglich, kilometerweit
den Strand entlang zu laufen, ohne jemandem zu begegnen, keinem Einheimischen,
erst recht keinem Touristen. Sehr angenehm, solange man den Blick gen Wasser
hält.
In der Ferne leuchtet die blaue Wolkenkratzer-sillhouette von Colombo.
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