Unawatuna again
Eine Woche ist schnell vorbei. Man kann sich sehr an den heißen Herbaltee
gewöhnen, zu dem man vormittags so schön lesen oder schreiben kann.
An die Früchte zu Mittag, wenn es zu heiß ist, um an eine warme Mahlzeit
zu denken. An das heiße Herbalbad, den Palmzucker zum Tee danach.
Wir brechen am 9.8. auf, mittags fährt der Zug nach Unawatuna. Wie erwartet,
hat er reichlich Verspätung. Der Bahnhof in Ambalangoda sieht so unbedeutend
aus, daß ein Europäer ihn eher für einen Kiosk halten könnte,
wenn nicht in dem leeren, gemauerten Raum Bänke stehen würden, ein
speckiger Tisch, an dem irgendein Bahnangestellter irgend etwas in ein dickes
Buch einträgt und zwei krumme Gleise draußen auf dem schmalen Bahnsteig.
Wir warten. Säcke werden hereingetragen von einem LKW. Sie müssen
sicher mit in den Zug. "Rice" steht darauf und "50kg". Ein schmächtiger
Mann im Sarong kommt herein, er sieht so schmal aus wie ich. Ein anderer hilft
ihm, beide heben einen Sack hoch. Der schmächtige Mann dreht sich mit dem
Rücken darunter, lädt sich den Zentner auf die Schultern und geht
auf den Bahnsteig hinaus, als habe er lediglich eine Einkaufstasche zu tragen.
Ungefähr zehnmal macht er das. Ohne besonders angestrengt auszusehen. Sein
Helfer, wesentliche besser genährt und gekleidet, wartet nur, daß
er zurückkommt. Wirklich mit helfen tut er nicht.
Auf dem Bahnsteig gibt es auch Dauerbewohner. Ein Hundewelpe schleicht vorsichtig
an den Bänken entlang, um jedes Bein macht er einen Bogen, kommen ihm Leute
laufend entgegen, wartet er, sieht auf, springt zur Seite. Man merkt, daß
es öfter Tritte gab. Ich halte ihm die Hand hin, warte, er auch, dann wedelt
er vorsichtig und traut sich heran. Sein Fell ist staubig, aber er freut sich,
läßt sich kraulen, wirft sich auf den Rücken, schnappt nach
meinen Schuhen, schleicht sich an, springt tapsig auf meine Füße.
Einheimische und Touristen sehen lächelnd zu, wollen ihn jedoch nicht anfassen.
Ein mageres Katzenjunge kommt dazu, mauzt kläglich, doch ich habe nichts
zu fressen. Die beiden kennen sich wohl, spielen auch miteinander. Auf dem Bahnsteig
müssen sie lernen zu überleben.
Der Zug kommt nach einer Stunde, normale Verspätung. Es sind sogar noch
Sitzplätze vorhanden und wir genießen die schnelle Fahrt im Express
bis nach Galle.
Bereits auf dem Bahnsteig empfängt uns ein Mann, der Kunden für ein
Tuk-tuk sucht. Also entfällt auch die Suche nach einem geeigneten Taxi.
Der Preis von 150Rs hat sich kaum geändert, also fahren wir mit seinen
"Angestellten", der kaum englisch spricht zu unserem Hotel Sun`n Sea.
Zwei Tage zuvor hatten wir hier ein Zimmer bestellt, sind nun gespannt, wo das
Hotel liegt.
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Das Sun`n Sea sieht von außen nobel aus. Hat vielleicht zehn Zimmer |
Der Blick von der Frühstücksterrasse auf die Bucht. An dieser Stelle sind nur wenige Touristen |
Das Zimmer hat das Notwendigste, aber wir haben schon besser gewohnt. |
Sun`n Sea liegt ganz am linken Ende der Bucht. Von außen nobel, mit Meerblick,
von innen sind die Zimmer "naja", geräumig, mit allerlei Ablagemöglichkeiten,
ein kleines Bad und Ameisenhauptverkehrsadern. Das Bett sieht zwar nobel aus,
doch es raschelt. Es ist ja hier Sitte, die Matratzen in einer Art Folie einzuschweißen,
damit sie in der Feuchtigkeit nicht schimmeln. So jedoch raschelt und knarrt
es bei jeder Bewegung - gewöhnungsbedürftig.
Die Bucht nach zwei Jahren wiederzusehen ist schon ein seltsames Erlebnis. Vieles
hat sich verändert.
Das angenehme, drollige UBR, in das ich mich damals so verliebt hatte, ist umgebaut
und erweitert worden, ist nun das Touristen-mengen-mäßig größte
der Bucht. Einst hatte es rote Ziegel und blau gestrichenes Holz, nun ist es
beige, sehr viel luftiger angelegt, mir größeren Liegemöglichkeiten,
einem Pool und einem weiteren, ausgelagerten "Wohnhaus" für vielleicht
zehn Zimmer. Das Kleine, familiäre ist dem Großen, geschäftlichen
gewichen.
Von den vielen Buden am Strand haben sich die meisten verändert. Einige
zum Vorteil, andere sind vollends zerfallen. Oft entstanden Steinhäuser
an ihrer Stelle. Insgesamt wird Unawatuna ein moderneres Angesicht bekommen
in den nächsten Jahren.
Die malerische Seite um die Dagoba herum wurde eingezäunt, der Tempel scheint
erweitert zu werden, das Gestrüpp den Felsen hinauf wurde gerodet - was
diesmal wirklich nötig war. Emsig bauen Männer irgend etwas, vielleicht
sieht auch das bald ganz hübsch aus.
Durch den Monsun ist der Strand schmaler, das Wasser sehr aufgewühlt, man
kann sehr gut schwimmen, doch schnorcheln ist nicht möglich, da die Welt
unter Wasser völlig zugestaubt ist. Ständig bläst starker Wind
in der Bucht, die Wellen weit draußen haben Schaumkronen.
Um diese Saison-zeit sind kaum Touristen hier. Die meisten konzentrieren sich
auf das UBR, liegen am Pool oder auf der Liegewiese der Anlage, ohne den Strand
draußen vor der Tür zu benutzen. Wie damals lagern die Händler
mit ihren Taschen vor dem Zaun, denn hinein dürfen sie nicht. Wie damals
verkaufen sie Geschnitztes, Batiktücher und T-Shirst mit dem Aufdruck "Sri
Lanka". Nur die Preise sind etwas gestiegen.
In der Ferne dröhnt und wummert es. Im nahen Steinbruch wird noch immer
gesprengt, der Hall breitet sich über der ganzen Bucht aus. Riesige Brocken
werden auf LKWs verladen, ganze Kolonnen fahren staubend die Straße entlang
nach Galle.
Auch hierher kommt die Regenzeit. Es wird grau in den Wolken, unvermittelt schüttet
es. Gerade sind wir unterwegs - ohne Schirm natürlich, da hat unterstellen
keinen Sinn mehr. Ob wir nun innerhalb einer Minute, oder innerhalb einer Viertelstunde
naß werden, ist kein Unterschied - im Nu sind die Sachen durchgeweicht.
Ein Tuk-Tuk kommt vorbei, der Fahrer sieht uns an, zögert, fährt weiter.
Für ein paar Rupees will er sich nun nicht sein Gefährt naß
machen.
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So sieht das UBR heute aus, erweitert und neu angemalt. Früher war der Eingang unter der roten Hecke, heute links unter dem Palmdach. |
Ein Sonnenuntergang vom Sun`n Sea aus - er spricht auch Bände über das Wetter, das wir im Urlaub hatten. |
Ebenso schnell ist der warme Regen vorbei. Noch tropft es uns von Nase und Haaren,
doch schon scheint die Sonne wieder und rasch sind die Sachen trocken.
Es hat sich auch erfreulicherweise nichts bei den Händlerbuden getan, dieselben
Dinge werden verkauft, nur die Verkäufer haben gewechselt. Neue Hotels
oder Guesthäuser entstehen, bestehende Hotels haben sich vergrößert,
in die Reihen der alten Bretterbuden wurden Lücken gerissen, haben neue
Besitzer die Chance ein Stück vom Touristen-kuchen abzubekommen.
Wir verbringen die paar Tage in Unawatuna mit baden. Der Ozean ist warm, die
Strömung schnell. Im Handumdrehen werden wir am Ufer vorbeigespült,
geruhsames Schwimmen ist gar nicht möglich. Der Strand ist schmaler, denn
der Monsun schiebt das Wasser mehr aufs Land, im hiesigen Sommer wird er wieder
breit sein und es Scharen von Touristen ermöglichen aneinander vorbei zu
gehen.
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