Wundervolle Tage
Morgens erwache ich von ständig wiederholten Worten, die durch das
Fenster hereinklingen. Draußen auf der Wiese werden Yogaübungen mit
einer Trainerin gemacht. Auch das verpassen wir, da wir nur die Kurzkur haben.
Die Tage verlaufen in purer Erholung. Gleich vor den Zimmern stehen Stühle,
auf einem Tischchen der Tee, ich komme endlich wieder zum Lesen.
Ranji, der "Boss" des Famedons, geht gemächlich seine Runden. Er ist sehr
groß für einen Singali, seine Haut ist fast schwarz, von der Figur
her würde ihm jeder einen Rausschmeißer in einer Disko zutrauen.
Tamari, seine Frau hingegen ist zierlich, werkelt den ganzen Tag in der Küche
und zaubert das Essen. Ihr Sohn, Asika, ist jetzt fünfzehn, auf den ersten
Blick sieht er aus wie zehn. Kinder sind in Sri Lanka eben kleiner. Er spricht
am besten englisch, dolmetscht, wenn es mal schwierig wird, managt auch schon
einige Sachen - Ranjis Nachfolger.
Abends spielt er Schach gegen Andreas - natürlich läßt der ihn
nicht gewinnen. Alles hier wirkt so familiär, als würden wir schon
lange dazugehören. Es ist deutlich zu spüren, daß es hier nicht
ums Geld geht, die Angestellten geben sich Mühe, weil sie es möchten,
nicht, weil sie es müssen.
Das Wetter ist in den letzten Tagen schlechter geworden, der Himmel ist nur
bedeckt, Wolken rasen darüberhin. Eine dunkle Wand kommt übers Meer,
eine halbe Stunde später ist sie da. Schnell fällt die Temperatur
um ein paar Grad, die schlanken Palmen werden gesträubt, rauschend fegt
ein Sturm durch die Bäume. Ein paar Tropfen fallen, alles rennt zu einem
Unterschlupf, keine zwei Minuten später donnert Wasser herab, die Welt
wird grau, verschwindet nach ein paar Metern in einer grauen Wand. Monsunzeit!
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Gleich wird es losgehen! Wir sitzen noch gemütlich beim Frühstück, doch schon zieht eine dunkle Wand auf |
Am Strand sieht man bereits in der Ferne den Regen, noch eine Minute, dann ist er hier... |
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Mitsamt Sturm zieht ein Regenspektakel auf. Ohrenbetäubend prasselt es herunter, es regnet quer, der Regen ist warm. |
In Minuten wird alles geflutet. Bäche stürzen die Treppen hinab, eine Stunde später ist wieder alles trocken. |
Nach einer Stunde oder weniger ist der Spuk vorbei, ebenso schnell hört
es auf, scheint vielleicht sogar die Sonne.
Andreas ist nach seiner Kur fast ständig unterwegs. Er hat es clever gelöst
- hat einen persönlichen Tuk-tukfahrer gefunden, dem er nur sagt, er solle
ihm etwas schönes zeigen. Dann fahren sie irgendwohin, auch stundenlang
mit dem Tuk-tuk, auch in Gegenden, in denen sein Fahrer selbst noch nicht war.
Immer kommt er wieder und erzählt, sie wären in einem Felsentempel
gewesen, an einem Fluß, einem Wasserfall, sei von Einheimischen eingeladen
worden, die weitab der Touristenpfade wohnen, von Kindern bestaunt, die so einen
weißen Riesen noch nie gesehen hatten.
Eines Nachmittags kommen auch die Gründer des Ayurveda-garden. Familie
Böhm aus Deutschland. Wir plaudern, erfahren Hintergründe und Zukunftspläne.
Es gibt noch einiges zu tun, das Nachbargrundstück soll gekauft werden
und noch ein paar Zimmer sollen entstehen. Das Jahr ist fast ausgebucht, dabei
entstand die ganze Anlage erst vor zwei Jahren. Was so schön ist, wie ein
Urlaub hier, spricht sich schnell und erfolgreich herum.
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