Wackelzug
Gerüttelt und geschüttelt fahren wir zwei Stunden südlich
durchs Land. Eine der riesigen indischen Loks, die man manchmal auf Fotos sieht,
zieht den Zug. Die zweite Klasse ist dichtbesetzt, wir zwängen unser Gepäck
vor die Sitze, nun kann nur noch einer von uns sitzen. Nichts desto trotz kommt
irgendwann ein Singali und beharrt darauf, auf genau diesem Platz zu sitzen.
Wir stellen uns einfach dumm, wo soll der Koffer sonst hin? Für das Gepäcknetz
ist er zu schwer.
Die braunen Lederbezüge der Sitze sind längst gebrochen, die Fenster
blind, aber sowieso geöffnet, bis auf unseres, vor unserem Fenster klemmt
noch unverrückbar der blecherne Sonnenschutz.
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Es gibt zwei Gleise, Verspätungen von einer halben Stunde sind normal. Je weiter weg vom Ausgangsbahnhof, desto mehr. |
Wilde Hunde und Katzen streunen herum, versuchen zu überleben. Diese beiden "Kinder" sind wohl Freunde. Vorsichtig nähren sie sich den Menschen, sind ganz ausgelassen, wenn man sich streichelt. |
Ohrenbetäubend schlagen die Übergangsbleche zwischen den Waggons aufeinander,
die Notbremse schaukelt hin und her. An der Decke gibt es Ventilatoren, doch
die drehen sich vielleicht schon seit Jahren nicht mehr.
Draußen zieht der ärmere Teil des Landes an uns vorbei. Gleich neben
der Schotterpiste haben viele Menschen ihre kargen Hütten gebaut. Essen
mit den Fingern, während der Zug vorbeidonnert, duschen sich hinter einem
Sichtschutz aus Pappe, dickbäuchige kleine Kinder spielen einander fangen.
Der Zug hält auf einem kleinen Bahnhof, eine Herde Ziegen wird von einem
Jungen weitergetrieben. Eine der Ziegen hat den Anschluß verpaßt,
meckert kläglich und durchdringend auf der anderen Seite des Zuges nach
ihren Verwandten.
Müllfeuer brennen an jeder Ecke, ab und zu blitzt der Ozean uns an, noch
immer sind die Wellen braun und schmutzig, erst in der Nähe von Kalutara
wird das Wasser sauber und die Wellen durchscheinend grün.
Kinder sitzen im Zug, ein kleiner Junge vor uns, vielleicht zwei Jahre, lugt
immer wieder durch den Sitzspalt und lacht uns an. So gewinnend sieht man selten
ein Kind lächeln, ich glaube, in Deutschland wäre er die Attraktion.
Seine ältere Schwester sitzt auf dem Schoß des Vaters, der auf Betelblättern
kaut, lacht schallend laut über die Scherze ihres Bruders.
Ein paar Touristen fahren auch mit, sind sicher auf dem Weg nach Hikkaduwa zum
surfen. Den Zielbahnhof zu finden, ist gar nicht so einfach. Wir wissen nicht,
wo der Zug zwischendurch hält, nicht jeder Bahnhof hat ein, auf Anhieb
sichtbares, Namensschild. Ein paar Einheimische bestätigen uns schließlich,
daß die nächste Station tatsächlich Ambalangoda sei.
Bereits beim aussteigen werden wir "überfallen". Ein Mann will uns eine
Visitenkarte von seinem eigenen Gästehaus in die Hand drücken, so,
wie er aussieht, kann er unmöglich ein Gästehaus haben. Taxifahrer
prügeln sich geradezu um uns, schließlich ignorieren wir alle, sprechen
einen Tuk-tuk-fahrer an und fahren für 100Rs mit dem drolligen Gefährt
durch die belebte, mittelgroße Stadt. Rechts und links nur Geschäfte,
Einheimische, kaum einmal ein Ausländer zu sehen. Ambalangoda hat keine
Hotels, oder vielleicht nur eines. Trotz des schönen Strandes werden wir
hier weitgehend allein sein.
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