Temple Flower - die Villa im Dorf

Weit entfernt von der breiten Hauptstraße nach Colombo, auf halbem Wege vom Flughafen nach Negombo, liegt das stille Dorf Pammunugama. Kein Touristenrummel, keine Händler, nichts außer heller Sonne, Krähenlärm und ehrlich freundlichen Menschen. Hier steht die Villa Temple Flower. Schmal führt die Asphaltstraße nach Negombo vor der Einfahrt entlang, gerade breit genug gelegentliche Tuk-Tuks, Schulbusse, Traktoren mit ihrer Kokosladung und eng vollbesetzte Linienbusse hindurchzubringen.

Sicher zehn Kilometer sind wir gefahren, dann steht plötzlich "Villa Temple Flower" an einer Mauer, Joachim hupt, alles schläft wohl noch, er muß das Tor von Hand öffnen und fährt in einen bewaldeten Garten hinein.
Regentropfen sind noch auf dem roten Gang zu sehen, große Blätter liegen unten, der Wind hat sie in der Nacht heruntergeweht. Noch hat niemand gekehrt. Auch die wenigen Touristen sind noch nicht aufgewacht, warum auch, es ist noch früh am Morgen, sehr feucht ist die Luft, erinnert an Tropenhäuser, es ist warm, angenehme Sommertemperatur, die wir dieses Jahr noch gar nicht hatten.
Wir sehen uns um, strecken die Glieder, versuchen, uns zurechtzufinden und besichtigen erst einmal unser Domizil.
Ihren Namen bekam der kleine tropische Garten von den Fangipanibäumen, die hoch die Anlage überdachen. Sanft zieht der Geruch der weißen Blüten den ganzen Tag hindurch. Sie duften nach Seife, Duschbad oder einem feinen Parfüm.
Ein großer, blauer Swimmingpool steht gleich hinter dem Eingang, das heißt, er liegt mehr - in zwei Meter Tiefe. Den ganzen Tag heizt die Sonne das Wasser auf, auch noch nach Stunden des Badens ist es nicht unangenehm.
Geflieste Wege ziehen sich durch die Anlage. Zu einem Duschplatz, wo alle Gäste ihre Duschseifen stehen lassen, zu einem Pavillion, in dem das Essen eingenommen und geschwatzt wird, zu dem Verandagang, in dem sich fünf der sechs Zimmer befinden. Jedes Zimmer hat seine eigene Veranda. Ein wenig erinnert es an die alten Wildwestfilme: auf der Veranda sitzen, durch Säulen hinausschauen, ein kleines Saloon-schwingtor aus Aufgang. Es gibt hier zwar keinen Schaukelstuhl, doch zwei Baststühle mit Tisch, auf dem der Ceylonesische Tee serviert werden kann.

Hier liegen die fünf Zimmer versteckt. Jedes hat eine kleine Terrasse mit Blick in den Garten

Der große Pool gleich am Eingang. Links, hinter der Mauer, verläuft die "Hauptstraße".

In diesem Pavillon wird das Essen serviert. Blick von den Zimmern aus..

Unser Zimmer ist zweckmäßig, Sterne wurden der Anlage ja nicht vergeben. Ein paar Abstriche gibt es also schon, ein Hotel ist es eben nicht. Uns genügt es jedoch vollkommen, vor allem von dem Garten sind wir begeistert.
Tropische Pflanzen, die bei uns ärmlich in Blumentöpfen wachsen, gedeihen hier wie Unkraut vor der Tür, riesige Philodendron schlängeln sich an Bäumen hinauf, Krähen lärmen angestrengt auf den Ästen, der Schwanz wippt, sie krallen sich fest - wenn sie sich so mühen müssen für ihr "kraaah!", warum lassen sie es dann nicht einfach sein?
Zwei einheimische ältere Männer kommen herein, bekleidet nur mit einem hochgebundenen Sarong, der wie Shorts aussieht, sie wirken ärmlich, hocken sich auf den Boden und pflanzen Gras zwischen den Fangipanibäumen. In der Trockenheit würde kein Samen keimen. Sie graben die Pflänzchen an der Straße aus und pflanzen sie hier ein. Das Gras ist so "intelligent", daß es nicht gemäht werden muß, es wächst nur kurz.
Wäsche hängt auf einer Leine, die Krähen schreien sich den ganzen Tag an, fliegen durch den Pavillon, trinken aus dem Pool, ein Stachelschwein im Gatter kaut an einer Kokosnuss. Eine magerer schwarzer Kater schleicht herum, lässt sich streicheln, springt uns im Spiel an, schnurrt, genießt das Kraulen und geht. Ein weißer wohlgenährter Hahn schleicht herum, kräht - auch morgens um drei - und scharrt die mühsam gepflanzten Halme aus.
Temple Flower ist ein bezauberndes Plätzchen, nicht zu weit vom Flughafen entfernt, Gelegenheit die Zeit und Klimaumstellung in Ruhe zu durchleben und in der Hitze in den Pool zu fliehen.
Übrigens - als ich die beiden Graspflanzer beobachte, denke ich mir, hier haben die Leute tatsächlich keine (oder kaum) Rückenprobleme. Es ist nicht üblich, soviel zu sitzen, sich hinunterzubeugen - wie man die Kartoffelernte auf alten Gemälden betrachten kann - oder anders den Rücken zu belasten. Sie hocken sich hin, hängen die Arme auf die Knie, der Oberkörper liegt praktisch auf den Oberschenkeln. In der Stellung bleiben sie auch stundenlang. Das sollte ich direkt mal üben...

 

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