Spice Garden - Touristennepp inbegriffen
Leider müssen wir unser schönes Zwischenhotel nach dem verdienten
Frühstück schon verlassen. Bis nach Kandy werden es drei Stunden sein,
wie genießen die gemütliche Fahrt.
Schließlich lenkt der Fahrer den Wagen zu "Lord`s Spicegarden". Einer
der vielen Gewürzgärten, die hier links und rechts der Straße
liegen und Medizin zum Verkauf, Führungen für Interessierte und Duftöle
zum Wohlbefinden anbieten. Eigentlich haben wir das vor zwei Jahren schon mal
gemacht, aber man kommt eben kaum drumrum - schließlich ist der Besitzer
auch einer von Joachims "very best friends".
Der Sohn des Besitzers - und nun Chef der Anlage, die noch mehrere Hektar zu
umfassen scheint, führt uns herum und betont stolz, daß er neun Sprachen
spricht. Wir entscheiden uns für englisch. Er spricht sehr schnell und
deutlich, trotzdem mein Englisch nicht allzuweit her ist, habe ich kaum Probleme
ihn zu verstehen. Von den Gewürzen erzählt er.
Pfeffer hängt in kleinen grünen Trauben am Baum. Der grüne Pfeffer
wird geerntet und muß in Salz eingelegt werden, sonst ist er nicht haltbar.
Der schwarze Pfeffer bleibt drei Monate am Baum, der weiße neun Monate.
Also ist die Farbe und Schärfe nur abhängig von der Lagerung am Baum.
Auch Canabis und Kokain steht hier herum. Nur zur Demonstration, betont er,
und beachtet unser Schmunzeln nicht.
Es gibt auch Knoblauch, der nicht als Zwiebel wächst, sondern dessen Blätter
nach Knoblauch riechen und wohl auch so schmecken. Das ganze Gewächs ist
ein Strauch.
Wir bekommen eine Tasse Kakao, der reine Kakao, so wie er geerntet wird und
nicht verdünnt für den Verkauf, lediglich mit Wasser, ohne Milch.
Zwar bin ich erst skeptisch, doch es schmeckt sehr gut. Fast besser, als mit
Milch. Außerdem hat es sehr viel Energie, meint er.
Daß Kaffee auch noch zu etwas ganz anderem gut ist, wußte ich auch
noch nicht. Man kann aus den grünen Bohnen ein Duftöl herstellen,
das genauso wie Chanel duftet. Sehr, sehr gut. Es heißt auch "natürliches
Chanel" und soll sehr lange riechen, länger als die Parfüms, die ja
mit Alkohol versetzt sind. Ebenso toll duftet ein Jasminöl, das man sich
in den Wäscheschrank hängen soll und Lotosöl, welches sehr blumig
und süß duftet für Öllampen. Natürlich kann man das
alles am Schluß kaufen, meint er nebenbei.
Es gibt in der traditionellen
ayurvedischen Medizin allerlei Kräuter gegen allerlei Wehwehchen. Die Ayurveda
Medizin ist weniger auf die Heilung der "Schäden" ausgerichtet, als auf
die Herstellung des inneren Gleichgewichtes, damit Krankheiten und Schäden
vermieden werden können.
Da gibt es Einreibemittelchen gegen Schwangerschaftsstreifen und Cellulitis,
gegen Kopfweh und für die Potenz, gegen Hautflecken und zum abnehmen sollen
sie auch helfen. Wir hören zu und nicken eifrig, eigentlich genieße
ich mehr sein englisch zum üben als den Inhalt, denn so gut es klingt,
so wird doch kein Mittelchen zum abnehmen taugen, wenn einer weiterhin maßlos
ißt.
Schließlich bringt er uns zu einer kleinen Hütte und meint, nun wolle
er wissen, ob wir aufgepaßt haben. Ein paar Bänke stehen wie in einem
Klassenzimmer, auf einem wackligen Brettertisch viele verschiedene Dosen, Becher,
Flaschen mit irgendeinem bunten Inhalt. Draußen zwitschern die Vögel,
malt die Sonne helle Flecken durch das schwankende Blätterdach. Ein Mann
kommt vorbei, bringt zwei Tassen Tee. Wir sollen raten, was darin ist.
Es schmeckt merkwürdig und nach "gesund". Süßlich und gleichzeitig
scharf, irgendwie auch bitter und deutlich nach Ingwer. Es ist irgendeine Mischung
aus mehreren Küchengewürzen, die ich wohl nur an die Suppe getan hätte.
Das Ganze hat den drolligen Anschein einer Prüfung. Unser Führer lächelt,
während wir kosten und raten, zuckt die Schultern und sagt, das hätte
er ja alles schon erzählt.
Dann hat er noch etwas anderes für uns:
Er meint, wir sollen uns jeder auf eine Bank setze, die Schuhe aus, die Füße
auf den Boden. Was wird das? Zwei junge Männer kommen, jeder von uns bekommt
eine Massage. Interessant. Gesichtsmassage, Kopfhautmassage, Oberkörper.
Alles mit Öl, entsprechend sehen unsere Haare dann auch aus. Das geht vielleicht
zwanzig Minuten so und ist ganz angenehm. Arme und Hände werden durchgewalkt,
wir riechen hinterher nach Sandelholz. Natürlich erwartet man eine kleine
Spende dafür, ungefragt durch Öl geknetet worden zu sein.
Thorsten entschließt sich, noch ein Mittel gegen seine Kopfschmerzen zu
kaufen, am Eingang ist ein kleiner Laden, in dem die verschiedensten Sachen
in selbstbeschrifteten Flaschen stehen. Wohl auf die Schüchternheit der
Touristen hoffend, nimmt unser Begleiter einen Beutel in die Hand und geht forsch
fragend durch die Gewürzreihen und packt irgend etwas ein. Sicher kann
tatsächlich mancher nicht abschlagen und kauft etwas, was er gar nicht
wollte.
Wir nehmen nur das Kopfschmerzmittel, zum Einreiben, zum Einnehmen für
eine Kur - vier Wochen und dann ist jede Migräne vorbei. Aha! Wenn man
schon alles probiert hat, kann das auch nicht schaden.
Deepal schnuppert uns lächelnd an, noch bis zum Abend verbreiten wir einen
angenehmen Weihnachtsduft.
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