Diesmal etwas anders
Ein komisches Gefühl ist es schon, unter Palmen zu sitzen, in der Hitze
von 33°C, umgeben von ca 80% Luftfeuchtigkeit und auf einem Laptop zu schreiben.
Trotzdem haben wir uns entschieden, dieses unförmige Ding mitzunehmen,
da mir nach dem Urlaub zweifellos die Zeit fehlen würde.
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Wir reisen zu zweit.
Kerstin, also ich, diesmal 34 Jahre alt und Thorsten, mein Freund seit zwei
Jahren, 23 Jahre alt. Sohn Toni fuhr dieses Mal mit den Großeltern in
Urlaub, sicher die bessere Wahl für ihn, denn langweilige Tempel und faule
Eltern bei tropischer Hitze sind für ein siebenjähriges Kind stressig.
Ganz mutig stellten wir die Reise privat übers Internet zusammen.
Vom 24.7.2000 bis 14.8.2000. Eigentlich mitten in der Regenzeit und außerhalb
der Saison.
Wir entschieden uns für "Villa Temple Flower" und das luxuriös aussehenden
"Ayurveda Garden". Dann bleiben noch ein paar Tage bislang ohne Quartier, wahrscheinlich
werden wir die im Süden, in Unawatuna verbringen.
So sieht unser erster Plan aus, nach nur zwei Tagen kann ich aber noch nicht
sagen, wie es wirklich ausgehen wird.
Sri Lanka, mein kleines Paradies am Ende der Welt. Zwei Jahre ist es jetzt her,
seit ich hier war, doch es verging kaum eine Woche, in der ich nicht an dieses
Land dachte. Das passiert nur bei ganz wenigen Urlauben. Vielleicht hat es viel
damit zu tun, wie ich die kleinen Dinge sehe. Etwas intensiver vielleicht, wenn
ich mich wirklich wohl an einem Ort fühle. Ich fühle noch immer den
Sand und sehe die Korallen vor mir, als würden sie zum Greifen sein. Höre
die Palmen in meinem Inneren rauschen und freue mich auf die Freundlichkeit
der Einheimischen - der Einheimischen natürlich, die nicht den schnellen
Rupee von einem Touristen wollen.
Ich weiß, dass meine Erwartungen eigentlich hoch gespannt sind, es wird
nicht so werden, wie ich es mir erträume, in zwei Jahren passiert viel,
auch in Sachen Freundlichkeit. Doch wenn ich mich nur einen Tag lang wieder
so fühle wie damals, dann weiß ich, ich bin wieder zu Hause.
Die Maschine landet in völliger Dunkelheit. Noch ist die Sonne nicht aufgegangen,
der Flugplatz menschenleer, nur ein paar einsame Maschinen stehen herum. So
hätte es auch auf einem letzten Ruheplatz für Flugzeuge aussehen können.
Als ich wieder den Boden Sri Lankas betrete, kehrt die Erinnerung zurück.
Heiß war es damals gewesen, heute fast angenehm kühl mit 30°C. Die
Formalitäten gehen flott, etwas, das ich noch nie erlebt habe. Kein Kofferträger
weit und breit, alle schlafen noch, es ist fünf Uhr morgens. Die Vorhalle
ist fast leer, nur unser Flugzeug hatte zeitweise Arbeit für die Angestellten
gebracht.
Wir werden erst einmal
statt von Freundlichkeit, von Touristenfängern erwartet. Gleich hinter
der Halle empfängt uns ein großer Singali, der die Arme ausbreitet,
als wolle er eine Kuhherde daran hindern, ungefragt an ihm vorbeizugehen.
"Von welcher Reisegesellschaft?" fragte er auf englisch.
"Wir haben keine, danke."
"Dann hier entlang, hier müssen sie sich eintragen. Wir bringen sie dann
zum Hotel."
Wie kommen wir dazu! Wir umrunden ihn umständlich, er folgt uns noch ein
paar Meter, so, als hätte sich ein Kalb an ihm vorbeigedrängt und
er müsse es nun wieder einfangen.
Er ist einer der "Fänger", die gegen Provision am Flughafen Individualreisende
abfangen und in irgendwelche Hotels "einweisen" sollten.
Joachim Fernando, der Besitzer der Villa Temple Flower holt uns ab. Trotz seines
europäisch klingenden Namens, ist er gebürtiger Singali. Joachim,
erklärt er uns, war irgendein christlicher Heiliger, nach ihm wurde er
benannt.
Draußen graut der Morgen, der Himmel ist bedeckt, geradeso, wie wir ihn
in Deutschland verlassen haben. Kommt nun das miese Wetter auch hierher? Zu
Hause waren die letzten Wochen - wohlbemerkt im Juli - schweinekalt gewesen
mit 13°C und Nieselregen.
Joachims Minibus sieht seltsam aus. Als erstes leuchtet uns der Strahlenkranz
einer angebrochenen Frontscheibe entgegen. Von einem Geschoß getroffen?
"Kokosnuß, vorige Woche", sagt er und lacht.
Es ist morgens halb sieben, als wir aufbrechen. Soldaten lassen locker ihre
Unterarme auf Maschinengewehren hängen und sehen müde irgendwohin.
Daran hat sich in der Zeit nichts geändert.
Die ersten Arbeiter kommen mit Bussen an, die Scheiben beschlagen von der Feuchtigkeit.
Tropfen perlen innen herab, nichts sieht anders aus als ein gelangweilter Montag
Morgen in Deutschland. Gesenkten Blickes gehen sie in die Fabrik, die gleich
in der Nähe des Flughafens liegt. Grau ist die Mauer davor, grau der Himmel,
grau die Stimmung der Arbeiter. Stoffe werden hier für den Export hergestellt.
Kinder in weißer Schuluniform stehen etwas verloren vor ihren Wohnhütten,
einen Plastikbeutel als Ranzen vor sich und warten auf den Schulbus.
Es beginnt zu regnen. Regenzeit. Eigentlich müsste es jeden Tag so sein,
doch Joachim sagt, es hätte schon seit Wochen nicht geregnet, heute sei
das erste Mal. Wenn wir schon mal Urlaub machen.
Wir fahren die fast leere Straße nach Colombo entlang. Wenige Autos sind
unterwegs, niemand benutzt die "Notspur" in der Mitte der breiten Straße
- ein Streifen, der hier nicht mit Bordsteinen und Gras bedeckt ist, sondern
mit einer Holperstrecke, die man zur Not eben auch überfahren kann. Jedoch
nur langsam und auch nicht aus Versehen.
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Irgendwann biegen wir ab, eine schmale Straße geht es entlang, so schmal,
wie ein Waldweg bei uns. Einzelne Häuser und weite Palmenhaine wechseln
einander ab, gleich müßten wir da sein, denke ich. Doch weit gefehlt,
unendlich geht es ins "Hinterland" hinein, weg von der Stadt, näher zur
Küste, weiter hinein in dörfliche Ruhe.
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