Zaubersteine
Sri Lanka
hat einen großen Nachteil für mich - so wie, laut Klischee, Frauen
auf glitzernde Sachen wie die Elstern fliegen, so haben mich auch die vielen
Edelsteine bezaubert, die allerorts zu kaufen sind.
Eigentlich bin ich imstande an solchen Schmucksachen vorüberzugehen ohne
mich umzudrehen, aber hier sticht mir denn eines Tages doch eine faszinierende
Farbe ins Auge.
Oberhalb des Sandstrandes von Unawatuna, versteckt hinter zwei Palmen, die schief
gewachsen über dem Wasser hängen, verbirgt sich ein kleines weißgetünchtes
Häuschen, in dessen Fenster goldener Schmuck blitzt. Es ist einer von vielen
Juwelieren. In der Auslage hängt ein Armband mit sechs großen wunderbar
blauen Steinen in üppigem Gold. Niemals im Leben würde ich sowas tragen,
aber in die Farbe verliebe ich mich augenblicklich. Ein warmer Farbton, leuchtend,
dunkel, der Farbe des Himmels auf kitschigen Postkarten ähnlich.
Ich verlasse fluchtartig diesen Ort, bevor ich etwas Verrücktes tue, aber
mir ist auch klar, das ich ohne so einen Stein dieses Land nicht verlassen kann.
Fortan beschäftige ich mich mehr mit diesen glitzernden Steinchen. In Sri
Lanka werden Edelsteine und Halbedelsteine in unzählige Arten und Farben
gefunden. Von Abbau oder Gewinnung kann niemand sprechen. Es ist eine mühselige,
undankbare Aufgabe - einzig der Zwischenhändler und der letzendliche Verkäufer
machen damit ihren Gewinn.
Als absoluter Laie kann ich Edelsteine gerade mal nach ihrer Farbe unterscheiden.
Saphire sind blau, Smaragde grün, Topase gelb, Rubine rot. Diamanten weiß,
aber die gibt es in Sri Lanka nicht. Mehr weiß ich bis dahin nicht, erfahre
erst hier, das diese Farben nur Klischees sind und sie eigentlich in zig verschiedenen
Schattierungen anzutreffen sind.
Von Juwelieren und Inhabern von Edelsteinschleiferein erfahre ich einige Einzelheiten
mehr . Mir fällt auf, das gerade diese Händler meistens Moslems sind...
Hm, sie haben wohl den ausdauernderen Geschäftssinn, um es vorsichtig zu
formulieren.
In Sri Lanka werden eigentlich nur wenige echte Edelsteine gefunden. Zu ihnen
gehören Saphir und Rubin. Auch der seltenste Edelstein der Welt, der grüne
Alexandrit, kommt von hier. Nur im Museum habe ich einen gesehen.
Es gibt sie in den verschiedensten Farben. Der weiße Saphir wird der Diamant
Sri Lankas genannt. In Orange soll er die größte Seltenheit sein.
Mit dem Dunkel des Blaus steigt auch sein Wert, obwohl er mir nicht einmal so
besonders gefällt mit seinem fast schwarzen Blau. Auch Rubine gibt es in
den unterschiedlichsten Schattierungen. Ich finde sie alle etwas zu rot, oder
zu schmutzig-rot.
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Ein Cateye - erkennbar der Lichtstreifen, der kein Einschluß ist und auch kein Farbwechsel IM Stein |
Ein Starsaphire - mit einem sehr schönen sechszackigen Stern - der hier hat 1,66 ct - Durchmesser 6mm |
Ein Starruby - eine schöne Farbe mit dem Lichtstern, der stets über den Stein "läuft" Der hier hat ca 8 ct - Länge ca 10mm |
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So sieht ein typischer Moonstone aus. Ein wenig nichtssagend vielleicht, aber wie perlmutt leuchtend |
So ungefähr, nur etwas dunkler sieht MEIN Stein aus... Blue Topaz, der hier hat 10 ct |
Der Alexandrit - der seltenste Edelstein der Welt, wie ich hörte... |
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Was ich
noch nie vorher sah, sind die sogenannten Star-saphire und Star-rubys. Hierbei
werden die Rubine und Saphire auf der "Oberseite" nicht mit Facetten geschliffen,
sondern halbrund, wie eine halbe Erbse. Dem sogenannten Cabochon. Die Unterseite
muß "Original" und unbehandelt bleiben, sonst stellt sich dieser seltsame
Effekt nicht ein. Hält man dann so einen Stein ins Sonnenlicht, wandert
auf ihm der Lichtreflex in Form eines sechszackigen Sternes entlang. Wobei die
Zackenenden stets bis zum Rand des Steines reichen. Ein faszinierendes Lichtspiel.
Es gibt auch noch einen "Cateye", einen Stein, auf dem der Lichtreflex in Form
eines stets senkrechten Striches verläuft. Nichts kann dies ändern,
es sei denn, man schleift ihn um.
Halbedelsteine hingegen gibt es viele. Beispielsweise Aquamarine, von weiß
bis leicht bläulich. Turmaline - hellgelb bis dunkelbraun, Granate - hell
bis dunkelrot, Topase gelb, braun und blau.
Ich verstehe auch langsam, wie man sie unterscheiden kann. Der geübte Juwelier
sieht es natürlich auch an der Farbe und - am Gewicht. Ein Halbedelstein
von 5 Karat ist etwas kleiner als eine Bohne. Ein Edelstein dieser Größe
hätte über 10 Karat. Ein Karat enspricht dabei 200mg.
Na klar - eine Kugel aus Stahl ist ja auch schwerer als eine gleichgroße
Kugel aus Holz. Der Edelstein ist "dichter" als der Halbedelstein. Allerdings
gibt es dann Edelsteine in dieser Größe nicht. Höchstens im
Museum. Halbedelsteine wachsen in großen Kristallen, werden zerschlagen
und geschliffen.
Ein Halbedelstein beginnt bei Härtgrat 6 bis 8. Edelsteine 8 bis 9. Diamant
10. Fensterglas hat die Härte 5,5. Soviel ich weiß fängt diese
Tabelle bei 1 an - mit Talkum.
Sowas lernt man im Edelsteinmuseum in Ratnapura.
Bei jedem Juwelier liegen sie zu Hunderten in kleinen wattegefütterten
Schachteln mit durchsichtigem Deckel. Alle Größen, von Stecknadelköpfen
bis Fingernagelgrößen. Im Safe werden lediglich die Rubine und Saphire
aufbewahrt. Der interessierte Kunde wählt einen Stein und schlägt
ein Design vor, binnen zwei Tagen kann man das bestellte Schmuckstück abholen.
Wer es nicht will, läßt es eben zurück. Hat der Juwelier in
irgendeinem westlichen Katalog ein neues Schmuckstück gefunden, läßt
er es in seiner Werkstatt fertigen und so zieren ganze Scharen von Anhängern,
Ohrringen, Ringen und Armbändern die Auslagen.
Ich bestaune das kleine Kästchen mit Star-rubys. Ungefähr 15 kleine
Steinchen liegen darin. Der Juwelier schickt mich mit einer großzügigen
Geste in die Sonne, das Lichterschauspiel zu betrachten. Ich verlasse den Laden,
eine - in Deutschland - unvorstellbare Summe in der Hand. Er sieht mir nicht
mal nach.
Ich wähle aus einem anderen Kästchen mit den leuchtenden blauen Steinen
- die mir in jedem Schaufenster als erstes ins Auge springen - einen aus. Diese
von mir angebetete Farbe gehört dem blauen Topas.
Ich möchte ihn in einer anderen Form. Der hier ist viereckig und das steht
mir nicht. Wirkt irgendwie zu akkurat. Der Juwelier wiegt den Kopf hin und her.
Für mich heißt das zuerst "es paßt mir nicht, daß dir
das nicht gefällt", doch diese Geste heißt in diesem Land etwas ganz
anderes. Sie bedeutet ŽOK, einverstanden`. Ich bestelle also den Topas als Kettenanhänger
in vierzehnkarätigem Gold eingebettet.
"Sieh ihn dir an wenn er fertig ist, dann kannst du entscheiden" sagt er.
Zwei Tage später betrachte ich neugierig meinen Wunschanhänger. Er
wurde umgeschliffen, von viereckig in eine Tropfenform. Jetzt erkenne ich auch
den Nachteil dieses Verfahrens. Der ehemals leuchtend dunkle Stein hat nun eine
helle eisblaue Farbe bekommen. Die Intensität seiner Farbe erhält
er unter anderem durch seine Tiefe. Das Umschleifen hat ihn flacher gemacht.
Ich bin etwas enttäuscht, aber auch diese Farbe gefällt mir. Sie hat
etwas Dezentes an sich. Er hat nun ungefähr 3,5 Karat.
Ich kaufe ihn. Handle herunter, weiß, daß ich noch viel zu viel
bezahlt habe, aber auch, daß es nach deutschen Maßstäben ein
Schnäppchen war.
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