Strandleben
Wir haben
an diesem ersten Tag noch Zeit und besuchen den Strand. Es ist fast sechs Uhr
abends, die Sonne wird gegen sieben verschwinden. Sie Schatten sind lang, die
Hitze des Tages steigt vom Boden auf. Das Hotel U.B.R. hat einen kleinen Garten.
Umzäunt und somit die Touristen vor den Händlern schützend breitet
sich eine kleine gepflegte Grünanlage vor uns aus. Einige schlanke Palmen
spenden in der Mittagssonne bescheidenen Schatten, zwischen ihnen wirbt ein
Plakat für den Masseur des Hotels. Für nur 450,- Rupees kann man sich
eine Stunde lang durchwalken lassen. Ein paar Holzliegen und Plastiksitze unter
Sonnenschirmen zeugen vom Lieblingsaufenthaltsort der Touristen des Hotels.
Noch frage ich mich, warum sie nicht direkt zum Strand gehen. Wir verlassen
den Garten durch ein schiefes Lattentor und stehen bereits zehn Schritte vom
Ufer des indischen Ozeans entfernt. Der Sand ist noch warm, Bruchstücke
von alten Ziegeln, eine Sonnencremeflasche und das Grün einer Ananas liegen
herum. Leider ist daran wohl wenig zu ändern.
Die Wellen sind nicht hoch, schlagen jedoch kraftvoll ans Ufer. Ihr Rauschen
und die weiße Gicht laufen weit den Strand hinauf und glätten die
Spuren der Touristen. Jetzt endlich möchte ich es an meinen Füßen
spüren. Die nächste Welle streift kräftig meine Beine, reißt
mich zurückfließend fast um. Bevor die nächste Welle ihre Vorgängerin
unter sich begräbt, gibt sie den Blick auf unzählige, angespülte,
weiße Korallenstückchen frei. Wie Kieselseine an anderen Stränden,
liegen sie hier herum, klirren und klimpern mit den Wellen hinauf und lassen
sich zurückspülen, werden geglättet, ausgespült, ihrer Schärfe
und Schönheit beraubt. Blaß und nichtssagend sehen sie nun aus, lassen
nur noch vage die Pracht in den fernen Korallenriffen erahnen.
Ich stehe im Wasser, begreife zum ersten Mal, warum Reiseveranstalter empfehlen
zum Schnorcheln Tauchflossen und zum Baden irgendwelche Schuhe anzuziehen. Die
Korallenstückchen prasseln an meinen Knöchel, ein größeres
Stück schrammt über den Fuß, hinterläßt gleich eine
Spur. Dem nächsten kann ich springend ausweichen, lande auf kleinen spitzen
Stückchen. Mir bleibt die Flucht. Die Wellen und ihre Fracht sind heimtückisch,
so schön sie klingen und aussehen, so wenig harmlos sind sie auch.
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So schön sieht die Bucht tatsächlich aus - es kommt nur auf den Standort an. Die linke Seite der Unawatunabay |
Ein Strandrestaurant. Mitten zwischen die Bretterhütten gequetscht. Hier wird geharkt, wenn etwas vom Tisch fiel. |
Auf der Spitze der Landzunge steht die Dagobe. Die Wellen schlagen ungezügelt an die Felsen |
Unawatuna
ist eine kleine Bucht. Links und rechts von Palmen umsäumt, in der Mitte
die größte Ansammlung von Hotels und Guesthouses am Strand. Die meisten
Palmen fielen wohl der Axt zum Opfer, nur sporadisch stehen sie noch zwischen
den Häuschen. Das UBR steht in der Mitte der Bucht, hier haben die Wellen
die meiste Kraft, schlagen nur vom fernen Hausriff gebrochen ans Ufer. Trotzdem
ist die Brandung hier wesentlich zahmer als an den Küsten, die kein bremsendes
Riff ihr eigen nennen. Wir gehen rechter Hand die Bucht entlang. Die Schatten
sind lang, die Sonne blinzelt nur noch wenig über den Palmenspitzen. Neben
unserem Hotel verrät ein Werbeschild, das die Inhaber dieses Restaurants
deutsch sprechen. Ich habe etwas Mühe das Restaurant auch als solches zu
erkennen. Ungeübten Blickes erwarte ich ein Haus aus Stein mit fester Tür
und Fenstern. Doch so etwas gibt es hier nicht. Das Restaurant ist eigentlich
nur eine überdachte, auf Pfählen stehende graue Bretterterasse mit
einigen zusammengezimmerten Tischen. Steine auf den Tischdecken halten diese
an ihren Plätzen fest, wenn der Wind vom Meer her weht. Die stärksten
Wellen umspülen die Holzstufen, die vom Strand her hineinführen. Wir
sind noch etwas befremdet, gehen auf alles gefaßt weiter.
Ein weiteres Restaurant, vielmehr eine Terrasse aus Stein. Das "Happy
Banana". So genannt, weil einem nach einem Namen gefragten Touristen nichts
Besseres einfiel. Die Wände sind geschmückt mit unpassenden Hirschgeweihen.
Unversehens wirkt es bayrisch. Etwas weiter steht "Cabanas to rent" auf einem
Schild. Das überrascht mich nun doch. Die grauen, verwitterten Bretter,
aus denen das Haus des Vermieters besteht, sind schief, ungleich lang und in
verschiedenen Abständen zusammengenagelt. Genauso sehen auch die drei "Cabanas"-Hütten
aus, die eigentlich nur aus einem dreieckigen Dach bestehen. Ein Tourist liegt
mit dem Bauch auf dem Boden zur Tür hinaus und liest. Es hat tatsächlich
jemand gemietet.
Um die Ecke qualmt eine Müllhalde. Eine Kuh sucht nach brauchbaren Resten.
Drei Pfähle lassen vermuten, das hier ein Haus abgerissen oder abgebrannt
wurde. Irgend jemand wird irgendwann wieder irgend etwas daraus machen.
Mitten unter Palmen steht ein Minihäuschen, das in großen Buchstaben
behauptet, ein Reisebüro zu sein. Wir gehen erstaunt ein paarmal rundrum.
Reisebüro ? So etwas gehört unserer Meinung nach doch in eine Stadt.
Hier lernt man nie aus. Man kann wirklich Reisen in die Umgebung buchen, sich
vom Flughafen abholen lassen oder weiter nach Asien fliegen. Keine fünf
Meter entfernt rauscht das Meer. Eine Leitung, die von der Dachspitze zu einem
Telegrafenmast gezogen wurde, bestätigt die Ankündigung auf dem Schild
- hier gibt es sogar ein Fax !
Ich bin begeistert. Anscheinend macht hier jeder aus allem etwas. Umdenken ist
angesagt. Hier geht es nicht um den äußeren Schein. Hier ist unwichtig,
ob etwas gut aussieht. Nur die inneren Werte zählen. Angewandter Buddhismus.
Wie weit sind wir Europäer davon entfernt.
| Das
ist mein Traumbild Es zeigt einfach den idealen Urlaubstraum. Unawatuna Bucht, vor dem Tempel |
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