Land und Leute

Sri Lanka, das frühere Ceylon, ist - wie gesagt - nicht größer als Bayern. Genau gesagt 434 km lang und 225 km breit. Im Inneren gibt es sogar ein Hochland, der höchste Berg, der Pidurutalagala ist 2528m hoch. Hier gibt es Schnee, von dem die meisten Ceylonesen eine unklare Vorstellung haben. Eine schneebedeckte Landschaft mit Rauhreif an den Bäumen und knirschendem Weiß unter den Füßen kann sich hier keiner vorstellen.
Die heißesten Monate sind März und April, dann steht die Sonne senkrecht. Danach beginnt die Regenzeit, von der ich mir jedoch habe sagen lassen, daß unsere Vorstellung von Dauerregen falsch sei. Es würde immer mal regnen - dann allerdings ein regelrechter Platzregen - und dann wieder trocken sein. Im Durchschnitt muß man sich in Sri Lanka auf eine Temperatur von 30°C einstellen, im Bergland sinkt sie nachts auch mal auf 10°C, sogar Bodenfrost soll vorkommen.
Im Süden des Landes gibt es noch Regenwälder, einige Gebiete sind Nationalparks. Entlang der Flüsse und Brackwasserseen dehnen sich Mangrovenwälder aus. Es gibt Orchideen in großer Zahl. Pflanzen, die in Deutschland mühselig als Zimmerpflanzen gepflegt werden wuchern hier mit riesigen Blättern am Straßenrand.

Überall gibt es Palmen, Kokospalmen verschiedenster Sorten. Alles wird von ihnen verwendet. Die Blätter geflochten für Matten, die Stämme zum Hausbau, die faserigen Schalen der Nüsse werden zu Seilen versponnen, die harten Nußschalen kommen zum Brennholz, das Fleisch der Nüsse kann man essen, deren Milch dient als Allheilmittel und Durstlöscher. Aus den Blütenständen zapft man Toddy, den Palmwein. Fermentierter Toddy wird zu Arrak, dem billigen Schnaps. Aus Toddy wird auch der unheimlich süße, zähe Sirup gemacht, mit dem die Speisen verfeinert werden. Aus dem Kokosfleisch gewinnt man Öl zum braten und kochen, getrocknetes Kokosfleisch wird exportiert, irgendwelche Reste fressen die Tiere.
Daraus erklärt sich auch irgendwie, das kaum etwas weggeworfen wird und wenn, dann kann irgend jemand sicher etwas damit anfangen. Leider hat wohl niemand den Ceylonesen erklärt, daß weggeworfene Plaste niemandem nützt und nicht verrottet. So treiben die durchsichtigen Wasserflaschen und Einkaufstüten übers Meer, liegen Sonnenölflaschen in den Büschen und zieht der durchdringende Plastikgeruch von abbrennenden Müllhalden übers Land. Leider - der wirtschaftliche Aufschwung bringt nicht nur Vorteile.

 

 

Sri Lanka steht und fällt mit der Kokospalme. Die Nüsse...

...werden auf diese Weise geerntet...

...und ganz am Ende werden die Schalen noch verarbeitet

In Sri Lanka leben ca 18 Millionen Menschen. Viel zu viele, meinen die Einheimischen. Die meisten, 75% sind Singalesen. Es gibt sie nur in Sri Lanka - damit ist auch ihre Sprache und die schöne Schnörkelschrift wohl einzigartig. 20% sind Tamilen und der Rest teilt sich in Nachfahren ehemaliger Kolonialländer auf. Soviel ich gelesen habe, sind die Tamilen Nachkommen von Indern, die von den englischen Kolonialherren als "Gastarbeiter" ins Land geholt wurden. Sie leben im Norden und der Ostküste, gehören gefühlsmäßig irgendwie weder zu Indien noch zu Sri Lanka und wollen daher einen eigenen Staat. Allerdings gibt es in "ihrem" Gebiet fast nur Teeanbaugebiete, sollten sie selbstständig sein, hätten sie kaum eine Chance sich zu ernähren. Trotzdem beharren einige darauf und versuchen mit Attentaten die Weltöffentlichkeit aufmerksam zu machen. Daher fürchten die Singali auch, daß bedeutende Bauten getroffen werden könnten und beschützen berühmte Tempel und wichtige Anlagen wie Fort Knox. Dieser "unsinnige Selbstständigkeitswunsch" ist auch Grund dafür, das viele Singalesen kein Verständnis für die Tamilen haben. Oft hörte ich auch, sie seien halt nicht sehr intelligent, wenn sie nicht begreifen, daß sie gar nicht selbständig sein k ö n n e n. Zumindest ich hatte den Eindruck, das diese Frage noch lange nicht gelöst sein wird.
Norden und Osten sind somit für Touristen Sperrgebiet. Wer will, kann auf eigenes Risiko hinein. Hotels an der - schöneren - Ostküste sind geschlossen, einige sollen niedergebrannt sein.
70 % der Bevölkerung sind Buddhisten, 15% gehören dem Hinduismus an, 7% dem Islam und 8 % dem Christentum. Alles lebt friedlich nebeneinander.

Wenn man ein Souvenier kaufen möchte, über das man zu Hause sagen kann, es sei traditionell in Sri Lanka, dann hat man die Wahl zwischen sehr unterschiedlichem Handwerk. Am bekanntesten sind wohl die Masken. Früher zu Tänzen getragen sind die geschnitzten, bunt bemalten Masken heute wohl das Standardsouvenier. Stoffe werden kunstvoll mit Wachs eingepinselt und in verschiedene Farbbäder getaucht. Ein solches Batik-Kunstwerk-Bild ist sein Geld wert, nur, wozu kann man es verwenden ? Die billigen Batiktücher am Strand nimmt man als Wickelrock oder -kleid. Spitzenklöppelei ist ebenfalls an jeder Ecke zu haben. Kragen, Tischdecken... viel Arbeit für wenig Geld. Aus Holz wird so ziemlich alles geschnitzt, was hier in Sri Lanka wichtig ist. Elefanten, Buddhas, Einboote und die bekannten Stelzenfischer, die auf Pfählen im Meer sitzen und ihre Fische fangen. Etwas teurer, aber unwiderstehlich sind die Edelsteine. In Sri Lanka werden viele Sorten gefunden. Saphire, Rubine, Halbedelsteine wie Aquamarine, Topase, Turmaline, Granate, Zirkone und der bekannte Glücksstein - der perlmuttfarbene Moonstone. An jeder Ecke gibt es "Gem shops".
Nicht zuletzt natürlich Tee und Gewürze...

Zu Sri Lanka - und überhaupt zu Asien - gehört untrennbar der Elefant. Er wird verehrt, geliebt, mancherorts noch als Arbeitstier gebraucht und recht oft auch als Touristenattraktion. In Sri Lanka gibt es das größte Elefantenwaisenhaus der Welt, es finanziert sich durch die Besuche der Touristen - bis zu 3000 pro Tag - und ermöglicht den über 100 Elefanten ein sorgenfreies Leben. 40% der dort lebenden Tiere sollen wieder ausgewildert werden, wenn sie alt genug sind.
Der in Sri Lanka heimische Elefant gehört zur Unterfamilie "maximus maximus" und ist mit noch 4000 existierenden Expemplaren die seltenste Elefantenart der Welt. Heute sind noch ungefähr 850 Elefanten als Arbeitstiere tätig - sie tragen sowohl Baumstämme, als auch Touristen.
Der Beruf des Elefantenführers, des Mahout, ist heute eine aussterbende Tradition. Nur noch wenige werden ausgebildet und das sind meist Kinder und Enkel ehemaliger Mahouts. Trotzdem gehört dieser Beruf zu den angesehensten. Früher, als es noch Kastensysteme gab, gehörten die Mahouts zur zweiten Kaste - gleich hinter dem Adel.
Aber auch in der Religion spielen Elefanten eine große Rolle. Einmal im Jahr zu einer der größten Festlichkeiten des Landes werden hundert Elefanten, reich geschmückt, in einem feierlichen Zug durch Kandy geführt. Der älteste Bulle trägt hierbei eine Buddhareliquie auf dem Rücken.
Im Buddhismus wird der Elefant als heilig verehrt. Besonders Elefanten mit sehr großen Stoßzähnen genießen größtes Ansehen. Da dies bei den Sri Lanka Elefanten sehr selten ist, wurden diese Tiere fast wie Gottheiten behandelt. Früher war es sogar die Aufgabe eines solchen Elefanten den zukünftigen König des Landes zu wählen. Das Tier wurde auf eine Menschenmenge losgelassen und das Kind, auf das der höhere der beiden Stoßzähne zeigte, wurde zum König ausgebildet. Diesem Brauch liegt der Glaube zugrunde, daß ein Elefant ein sehr einfühlsames Wesen ist. Er kann die Seele des Menschen erspüren und würde sich nur einem Kind zuwenden, welches sich durch Reinheit des Herzens als König eignen würde. "Der Elefant kann in die Herzen der Menschen sehen" sagt der Buddhismus.
Ein weiterer Grund für die Verehrung ist die Tatsache, daß Elefanten Vegetarier sind. Er würde zum Beispiel keinen Kuchen anrühren, der ihm angeboten wird. Denn darin sind Eier und Milch enthalten, die wiederum von anderen Tieren stammen. In dieser Handlungsweise ist der Elefant dem Buddhisten gleich, er versteht die Menschen, sagen die Priester.
Obwohl immer mal wieder Elefanten, die die Reservate verließen und die Felder verwüsteten, von Bauern getötet wurden, liegt heute das Hauptaugenmerkt auf dem Schutz. ( Quelle : "Die Schule der Kornaks", arte 20.8.98 )
Die Elefanten werden am Verlassen der Reservate gehindert, indem die Zäune des nachts mit Strom gesichert werden. Traditionsgemäß sitzen auch Bauern nächtelang auf "Ansitzen" inmitten ihrer Felder und halten Wache um im Falle eines Elefantenausbruches Alarm schlagen zu können. Solche "Anstände" findet man nur noch selten, früher war dies gang und gäbe. Es wird berichtet, daß die Männer, die die einsamen Nächte dort verbrachten, Lieder sangen. Um sich einerseits die Angst zu vertreiben und um andererseits den besorgten Familienmitgliedern mitteilen zu können, daß nichts aufregendes passiert sei. Auf diese Weise, sagt man, sei es auch möglich gewesen, der Liebsten Ständchen zu bringen und damit praktisch einen öffentlichen Heiratsantrag zu machen.
Früher klang nacht für nacht der monotone Singsang der Männer über die Felder. Mit etwas Glück findet man vielleicht heute noch einen Reiseführer, der eines der alten Lieder singen kann. Ich hatte dieses Glück.

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