Sunset

So wie sich die Touristen allabendlich auf dem Dagobefelsen an der Tempelseite der Bucht versammeln um den Sonnenuntergang über dem indischen Ozean zu beobachten, so neigt sich auch unser Urlaub dem Ende zu.
Man hat sich daran gewöhnt, daß es hier eigentlich zu heiß für einen europäischen Körper ist, daß das Essen zu scharf ist und die Nächte nicht kühl. In meinen Träumen unterhalte ich mich mittlerweile schon in englisch, sogar die Kreischhühner wecken mich nicht mehr auf, sie gehören sogar untrennbar zu diesem Urlaub.
Es gibt viele ja Vermutungen, warum die Bewohner südlicher Länder so sehr viel freundlicher sind als wir von zu Hause her kennen. Man meint, es läge unter anderem an den Temperaturen. Sie würden es nicht notwendig machen zuviel zu arbeiten. Man bräuchte kein festes Haus, keine warme Kleidung, alles notwendige zum Leben ist mit wenig Geld zu bekommen. Die meisten Probleme, die wir kennen, schließt dies schon aus.
Es läge auch an der wenigen Industrie, die es nicht notwendig macht, sich unbedingt an einen Zeitplan zu halten. Jeder kann mehr oder weniger kommen und gehen, wann er will.
Je reicher ein Land ist, desto schneller ist sein "Tempo". Je entwickelter es ist, desto weniger Zeit haben seine Bewohner. All unsere zeiteinsparenden Erfindungen lassen uns letztendlich doch keine Zeit mehr, die wir füreinander und für unser Leben bräuchten.
Es ist ein schönes Gefühl zu spüren, daß es hier keine "verschwendete Zeit" gibt. Hier gilt es eher als Zeitverschwendung, keine Zeit für seine Mitmenschen zu haben.
Urlaub von Europa - in allen Bereichen.

 

 

 

 

Schon als ich noch im Reisebüro stand, träumte ich davon, solche Fotos machen zu können. Palmen sind einfach die schönsten Bäume der Welt...

 


Irgendwann wird es unvorstellbar, daß man wieder zurück muß nach Deutschland. Ich kann es mir gut vorstellen hier eine Weile zu bleiben. Auch wenn dann ganz sicher die Welt anders aussehen würde mit der Zeit. Ich würde die Palmen nicht mehr wahrnehmen, die Wellen und der Sand wären so gewöhnlich, daß ich mich irgendwann wieder nach einem ordinären Löwenzahn sehnen würde. Es würden Probleme auftauchen, die ich mir jetzt nicht einmal vorstellen könnte. Die unproblematische Zeiteinteilung, in der hier gelebt wird, dürfte von einem pünktlich erzogenen Menschen irgendwann einige Toleranz erfordern.
So ist es denn wohl gut, daß der Urlaub zu Ende geht und das Gefühl der inneren Verbundenheit zu diesem Land zurückläßt.
Es wird ein anderes Gefühl sein, wenn in der Zeitung etwas über Asien und Sri Lanka berichtet wird. Es wird auch ein Teil von mir sein, der getroffen wird beim nächsten Artikel über ein erneutes Attentat, was wohl unvermeidlich sein wird.
Ein Bild von Palmen wird mich immer hierherbringen und die Sonne, die irgendwann auch in Deutschland wieder den Sommer verkünden wird, scheint ab jetzt anders. Denn fünf Stunden vorher war sie hier, erwärmte den Sand, weckte die Affen und brachte neue Touristen dazu, vor ihr zu fliehen.
An diesem letzten Abend auf dem Dagobefelsen sah ich einen jungen europäischen Mann, der auf einem der großen runden Felsen saß, die Beine im Schneidersitz, die Hände auf den Knien ruhend, mit geradem Rücken seine Mantras murmelnd, seinen Frieden mit dieser Welt schloß. Ich sah ihm lange zu. Belustigend für die einen, uninteressant für die anderen, schien es mir auf einmal ein gelungener Weg zu sein, alles für immer in sich aufzunehmen. Für ihn hatte die Sonne eine andere Bedeutung, so wie das Leben überhaupt. Und dieser Weg war vielleicht nicht einmal der Schlechteste.
Ich traf auch noch einmal mit dem jungen Strandhändler Arijapalla zusammen, mit dem mich vierzehn Tage lang eine sanfte, gegenseitige Zuneigung verbunden hatte. Er mochte mich und ich mochte ihn, mehr mußte eigentlich nie gesagt werden.
Mißtrauen gab es auf beiden Seiten, für ihn waren Touristen Menschen, die ihr Wort nicht halten und für mich waren Händler Menschen, die einzig auf ihren Gewinn aus seien. Er hatte mich nie mit seinen holzgeschnitzten Elefanten genervt, hatte einzig immer auf seiner Runde angehalten für eine kleine Unterhaltung.
Heute schenkte er mir einen seiner Elefanten. Ich stand reichlich fassungslos mit meinem Geschenk da, beschämt, meinen Vorurteilen unterlegen gewesen zu sein. Ein Tourist kam vorbei und meinte zu mir, ich solle mir nichts aufschwatzen lassen. Ich antwortete, das dies ein Geschenk sei und war überrascht zu sehen, daß der Angsprochene sich zu dem Händler umdrehte und ihm in unmißverständlicher Geste, anerkennend, die Faust mit dem erhobenen Daumen zeigte.
Bröckelnde Klischees.
Verrinnende, endlose Minuten und Traurigkeit auf beiden Seiten.
Man sagt, wenn das Unerwartete, das wirklich Schöne, am Ende einer Reise beginnt, dann kehrt man zurück. Wenn das Land dich verabschiedet, und du das Gefühl hast, man dreht sich nicht um und vergißt dich, dann bleibt ein Teil von dir hier.
Als mein Fuß, an der Gangway zum Flugzeug, Sri Lanka`s Boden verließ, wußte ich, es ist nur vorübergehend.
So wie es einen Menschen immer wieder zurück zu seinen Wurzeln, zu seiner Heimat zieht, so hatten sich auch hier Wurzeln in dieses Land geschlagen, die ich nicht gedachte auszureißen.
Ich würde wiederkommen. Nächstes Jahr, übernächstes Jahr, irgendwann ... aber so sicher, wie ein Ball an einem Gummiseil zurückspringt.
Und dann würde mich dieses Land wieder mit seinem Zauber berühren. So lange jedenfalls, wie mein Herz bereit war, ihn in sich aufzunehmen...

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bis zum nächsten Mal...
 


 

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