Die Welt vor der Haustür

Wir wohnen in Unawatuna, im Unawatuna Beach Resort. Das kleine, aus roten Ziegeln gebaute Hotel mit insgesamt 56 Zimmern ist mir gleich symphatisch. Wir steigen aus der Kühle des Busses in feuchtheißes Tropenklima. Es sind 32°C und mittlerweile Abend.
Das Zimmer enttäuscht mich zuerst etwas. War nicht von Meerblick die Rede gewesen ? Vom kleinen Balkon aus blicken wir auf den Hof des Hotels, oder besser den Parkplatz. Und eigentlich ist der Parkplatz nur ein Sandplatz von strickbespannten Pfählen umgeben. Ein handgeknüpftes Netz schützt die wertvollen Autos vor herabregnenden Baumfrüchten. Eine Hütte, kleiner als ein Bushaltestellenhäuschen, die Tür spartanisch mit einem Vorhängeschloß verriegelt, steht im Hof. Sicher ein Geräteschuppen, denke ich mir. Falsch, es ist eines von den unzähligen Juweliergeschäften in der Gegend. Damit werde ich später genug zu tun bekommen.

(Nachtrag - das UBR wurde völlig umgebaut und sieht im Jahr 2000 ganz anders aus - siehe meine zweite Erzählung)

Das Hotel U.B.R. - die Rezeption. Hier gibt es keine Türen, wozu aus. Es sind über 30°C, der Wind weht hindurch und erspart die Klimaanlage

Die Speiseterasse ist ebenfalls rundherum offen. Hinter dem Rücken des Fotografen rauscht bereits das Meer.

Um das Hotel erstreckt sich ein - nicht sehr umfangreicher - Garten mit Palmen und Tischen. Hier ist wieder der Blick auf die Speiseterasse - die Speisekarte steht an der Wand.

Wir blicken auf einen riesigen Affenbrotbaum, mit genauso riesigen Blättern, die irgendwie dem Ahorn ähneln. In ihm sonnt sich eine Dschungelaffenfamilie. Schlanke, hohe Kokospalmen versperren den Blick auf den nahen Steinbruch, eine Zeder mit traurig hängenden Nadelästen lehnt an der Hausmauer, gelb und rot blühende Büsche gleich vor der Balkonbrüstung runden die grüne Aussicht ab. Ein Sittichpärchen schwankt auf einem Palmenblatt, ihr charakteristisches Gekreisch erfüllt die Luft. Und dann . . . eine Art Truthahn läßt sein durchdringendes Geschrei ertönen. Entsetzt suchen wir den Unruhestifter. Ohrenbetäubend kräht er durch die Gegend, gefleckt wie ein Perlhuhn, nur größer und dicker. Mit kleinem Kopf, einem Federhäubchen obenauf und einem nicht erwähnenswerten Schwanz. Es sind sogar zwei. Sie gehören wohl den Einheimischen, die gleich neben dem Hotel ein kleines Steinhäuschen bauen. Was genau das für ein lauter Vogel ist, kann ich nicht sagen, womöglich endet sowas ähnlich dem Thanksgiving Braten in Amerika oder es ist das Äquivalent eines Wachhundes.
Wir werden jeden Morgen gegen sechs Uhr von diesen "Schreiern" geweckt werden. Anläßlich dieser Erlebnisse hoffen wir, das sie auf dem Teller enden!

Der Ventilator an der Decke ist eine chinesische Erfindung, sagt sein Name aus. Vielleicht erklärt das, warum wir zum Einstellen der Geschwindigkeit immer mindestens fünfzehn Minuten brauchen. Entweder er dreht sich nicht, oder hebt fast ab. Der einzige Tisch im Zimmer hat Füße aus rohen Holzstämmen, oben gucken die Schraubenköpfe fast einen Zentimeter heraus. Sie bewegen sich nicht, der Tisch sich dafür um so mehr. Er wird kurzerhand auf den Balkon verbannt. Im Bad hängt ein kleines Waschbecken, stützt man sich zu sehr auf, wird die Fuge an der blaugekachelten Wand bedrohlich größer. Die Duschecke besteht aus einer in Stein gehauenen Rinne, das Wasser strömt durch den kalkverkrusteten Duschkopf. Die verstreut angeordneten Wasserhähne verraten nicht, wofür sie zuständig sind. Oben im Bad ist die Wand offen, nur ein Fliegengitter eingelassen, gleich dahinter der Hotelgang. Draußen hört man jedes Wort von drinnen, umgekehrt dafür auch, was mich bereuen läßt keine Ohrstöpsel mitgenommen zu haben für die Nachtruhe.
Meine Mutter stützt die Hände in die Hüften und sieht mich fragend an - ich finde das Hotel langsam herrlich. Irgendwie urig mit Zeltplatzcharakter. Wer in die Tropen reist und erwartet, nicht wenigstens auf Ameisen im Zimmer zu treffen, liegt falsch. Ein Gecko sieht von oben herab, hat vergessen, daß noch heller Tag ist. Eine Riesenschabe bummelt durch die Dusche und verschwindet im Ausguß - ich fühle mich großartig !

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