Faszinierende Religion
Auf dem
Weg von Embilipitya zurück nach Unawatuna und die Hotels der anderen Gäste,
werden wir diesmal die ersten sein, die aussteigen können. Normalerweise
beginnen Rundfahrten oder Ausflüge immer im Süden, sammeln dann nach
und nach die Interessierten Richtung Norden ein. Unawatuna liegt nun mal am
unteren Ende, wir waren immer die ersten und wurden drei Stunden lang an anderen
Hotels entlanggefahren. Die Rundreise führt nun am südlichesten Ende
von Sri Lanka vorbei und der südlichsten Stadt Matara.
Bevor wir auf die Küste stoßen, kommen wir am buddhistischen Kloster
in Dikwella vorbei. Eine der größten Buddhastatuen ist hier zu bewundern.
Der vierzig Meter hohe meditierende Buddha.
Ich bewundere diese Religion, auch wenn ich nicht viel von ihr weiß. Aber
wie faszinierend und gütig muß ein Glaube sein, der keine strengen
Regeln aufstellt und Menschen wie die Einheimischen hier so glücklich in
ihrem Leben sein läßt.
Die Tempelanlange darf man nur ohne Kopfbedeckung und mit verhüllten Beinen
und Schultern betreten. Vielleicht ist es irgendeine Eigenart von mir, aber
eine heilige Stätte zu betreten hat für mich immer etwas Ergreifendes
ansich. Wieviele sind vor mir hier gewesen, damals, zu anderen Zeiten. Haben
beschwerliche Wege hinter sich gebracht nur um hier zu danken oder zu bitten.
Sie haben dasselbe gesehen wie ich jetzt. Nur, sie hatten ganz andere Empfinungen
dabei. Vielleicht muß man nur versuchen diesem nachzuspüren um die
eigentliche Anziehungskraft von Heiligtümern zu spüren.
Es ist mir persönlich unverständlich, wie man über einen, für
viele so bedeutsamen Boden dahinstapfen, sich hier und da umsehen und dann lachend
und plaudernd zurückgehen kann. Wieviel Toleranz haben da die Gläubigen,
die dies ohne böse Blicke akzeptieren. Wieviel Kraft liegt dann in ihrem
Glauben, der sie lehrt, auch das Andere und
nicht nur das Verstehbare zu dulden. Davon sollten viele etwas mitnehmen...
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Die Tempelanlage darf nur mit bedeckten Beinen und ohne Schuhe betreten werden. |
Riesige bunte Holzfiguren erzählen für Analphabeten die heiligen Geschichten |
Die 1970 erbaute, 40m hohe Statue im Hof. Ein ehrfürchtiger Anblick |
Die riesige Statue im Hof wirkt, so wie jedes Buddhabildnis, auf Europäer
befremdlich. Der "Mensch", der da sitzt, sieht ganz unnatürlich aus. Schlafblick,
die Gliedmaßen seltsam aneinandergelegt, keine natürliche Krümmung.
Wie ich las, geht die Kunst, die wir gewöhnt sind, auf das Schönheitsideal
der Griechen zurück. Sie lehrten, das die natürliche Darstellung des
Körpers das einzige Ideal sei.
Die buddhistische Kunst gibt den Idealzustand wieder, der bei der Meditation
oder der Erreichung der höchsten Glückseligkeit herrschen soll. Völlige
Entspannung, in sich gekehrt, versunken, die Kraftlinien des Körpers in
Richtung des Zentrums vereint.
Es sind kaum Gläubige zu sehen, Touristen stehen unter dem einzigen schattenspendenen
Baum und fotografieren das Monument.
Der Baum sei ein Boo-baum. Eine Art, die in jeder Tempelanlage stehen sollte.
Genau weiß ich auch nicht, was das ist und woher die Ehrfurcht davor kommt,
aber in Sri Lanka gibt es einen tausend Jahre alten Boo-baum, der von den Buddhisten
verehrt wird, ähnlich wie die Kaaba in Mekka von Moslems. Selbst die Busse
der Touristen halten bei jedem Vorbeifahren an, jemand steigt aus und wirft
Münzen in extra bereitgestellte Gefäße. Bitt-spenden für
gute Fahrt.
Viele Buddhisten waren Analphabeten, konnten die heiligen Schriften nicht lesen.
So werden im Inneren des Tempels mit bunten Gemälden und holzgeschnitzten
Figuren die Geschichten daraus erzählt. Die Figuren sind Mannshoch, bunt
bemalt, sehen sehr echt aus. Irgendwie erinnern mich viele der dargestellten
Szenen auch an Geschichten aus der Bibel. Ich kenne die Bibel nicht, aber es
werden gewisse Passagen ja oft erzählt.
Die Heilung durch Handauflegen, das Auferstehen von Toten, der Weg in die Einsamkeit
um dort seine Berufung zu finden.
Wir verlassen den Tempel und ich behalte das Gefühl zurück die Schönheit
dieses Ortes erst dann richtig verstehen zu können, wenn ich mich mit den
Grundzügen dieses Glaubens näher beschäftigt habe. Schade, heute
kann ich nur die äußeren Eindrücke mitnehmen.
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