Nachdenkliches
Viel zu
früh werden wir am anderen Morgen geweckt. Die Frösche sind nun wohl
auch eingeschlafen, nur ein paar Grillen verbreiten noch ihr zu den Tropen gehörendes
Lied.
Beim Frühstück kommen wir mit unserem Reiseleiter ins Gespräch.
Er hat irgendetwas von einem Musketier des Königs. Helle Haut, schwarzes
Haar, gepflegten Vollbart mit einem kleinen schwarzen Strich am Kinn. Ich könnte
ihn mir gut im wehenden blauen Umhang vorstellen.
Er erzählt von einem der letzten großen Attentate der Tamilen vor
einigen Jahren auf eine Bank mitten in Colombo.
"Vielleicht zehn Minuten zuvor war ich in dieser Bank. Dann ging ich raus, stieg
in mein Auto und sah im Rückspiegel so eine Rauchwolke. Dann diesen Knall.
Meine Heckscheibe ging zu Bruch, als die Trümmer herumflogen. Ich stieg
aus, lief zurück und sah dann erst, das es die Bank war, die ich gerade
verlassen hatte."
Er sah geradeaus in eine unbekannte Weite.
"Gleich danach bin ich in einen Tempel gefahren und habe Blumenopfer gebracht"
sagt er leise, lächelt, als sei nichts weiter geschehen. Nur seine Augen
lachen nicht.
"Wir haben Bekannte in München. Als die das im Fernsehn sahen, haben sie
sofort meine Frau angerufen, weil sie wußten, daß ich auf dieser
Strecke oft unterwegs bin. Das sind wirklich gute Freunde".
Ich nicke nachdenklich, erinnere mich an ein Gespräch mit dem Reiseleiter
unseres Reisebüros in Unawatuna. Ich hatte den jungen Mann, der für
hiesige Verhältnisse unglaubliche 1,80m maß, gefragt, warum er noch
nie in Deutschland gewesen sei.
"Das ist mein größter Traum" hatte er gesagt " aber mein Bruder studiert
in Deutschland. Der sagte, die Deutschen, die im Urlaub so nett sind, sind es
hier nicht mehr. Die haben alle gesagt, komm, wir helfen dir. Nun bin ich hier
seit drei Jahren und niemand ist hier gewesen oder hat mich angerufen. Sie vergessen
dich, wenn sie den Urlaub beenden."
Ich wußte plötzlich nicht wohin mit meinem Blick. Er senkte den Kopf,
versuchte ein Lächeln.
"Mein Bruder hat gesagt, komm nicht hierher, wenn du nicht mußt. In Deutschland
ist es nicht so schön, wie du glaubst..."
| Fangipani,
zarter Deoseifengeruch aus leuchtenden Blüten |
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