Auf Fahrt durchs Land

Im Süden des Landes gibt es einige Nationalparks. Der wohl bekannteste der Yale-National-Park ist, wie wir erfahren haben, für Touristen gesperrt. Es soll wohl zuviele Nepper und Schlepper dort geben, ob das stimmt weiß ich nicht, jedenfalls ist auf diese Weise die Chance genommen auch Leoparden zu sehen, die es nur dort gibt.
Wir buchen vom Hotel aus eine zwei-Tages-Reise durchs südliche Sri Lanka.
Im Morgengrauen starten wir. Der noch kühle, noch ruhige Tag beginnt mit rosa beleuchteten Schäfchenwolken vor der schwarzen Silouette der Palmen. Ein wunderschönes Motiv für mich. Leider komme ich als Langschläfer selten zu solchen Aufnahmen. Hell hebt sich eine dicke Haufenwolke vor der schwindenden Nacht ab. Die Sonne beleuchtet sie, färbt die Spitzen rosa und orange. In einigen Minuten würde sie noch schöner werden aber leider ... der Bus wartet.
Auf der Route steht das schon erwähnte Ratnapura mit seinem Edelsteinmuseum und den primitiven Minen. Die Fahrt geht etwas durch das Hochland, vorbei an endlosen Kokoshainen, ursprünglichem Dschungel, Teeplantagen und Reisfeldern.
Als Teeliebhaber ist es für mich sehr interessant, die Büsche mal im Original zu sehen. Sie erinnern von Ferne an etwas zu groß geratene Heidelbeersträucher. Einheitliches Grün bedeckt die Hänge, wenige hohe, schlanke Bäume stehen dazwischen, spenden Schatten für die geplagten Pflücker.

Morgen in Unawatuna. In den Palmen schimmern noch die letzten Lichter der Nacht, der Sand ist kühl trotz der 30°C, die schon herrschen

Der wunderschöne Ausblick vom Balkon des Hotels Centaury in Embilipitya. Reiher steigen auf, das Wasser plätschert ganz sacht

Ein ca 1m langer Waran läuft direkt unter unserem Bakon entlang, die Grillen schweigen kurz und setzen ihr Konzert fort, als er gemächlich im See verschwindet.


Bei der Ernte werden nur die Spitze und die beiden jüngsten Blätter gepflückt. Auf dem Rücken tragen die Arbeiter Körbe, die mit einem Riemen um die Stirn oder Schulter befestigt werden.
Ich hörte, es sollen Mengen von 20 bis 25 kg pro Tag die Norm sein. Unbegreiflich bei dieser Hitze und den winzigen Blättchen. Hauptsächlich Tamilen sollen für die Ernte eingesetzt werden, der Lohn soll bei 150 Rupees liegen, das sind gerade mal 4,- DM.
Der fertig verarbeitete Tee wird nach verschiedenen Qualitäten eingeteilt. Für uns heißt er im Supermarkt eigentlich nur Ceylon oder Ceylon Assam. Dann meist noch in Teebeuteln.
Die höchste Qualität, die man hier kaufen kann, hat der sogenannte B.O.P., dann B.O.P.F. und dann einfach nur Pekoe.
Am Ende der Skala steht noch `Dust`. Wozu man den verwendet, kann man sich denken - das Zeug kommt dann in die Teebeutel.
(Hier gibt es eine kleine Erklärung der
Abkürzungen zu den Teesorten - mir freundlicherweise von einem Leser zur Verfügung gestellt).
Am Ende des Urlaubes kaufte ich mir den zweit-besten BOPF. Fabrikfrisch, 1,5 kg für umgerechnet 15,- DM. Mehr als drei Teelöffel auf die Kanne Wasser kann man einfach nicht nehmen, sonst wird er zu stark...
Ebenso interessant ist es, bei der Zimtgewinnung zuzusehen. Die schlanken Aststangen dieser Baumart mit den bambusartigen Blättern werden mit einer Art Machete abgeschlagen. Milder Zimtgeruch liegt in der Luft, verbreitet eine feierliche Stimmung.
Ein Arbeiter setzt sich nieder, klemmt die Stange zwischen die Füße und beginnt die graue Rinde mit einem gebogenen Messer in Spiralen abzuschälen. Aha - denke ich, das ich also Zimt.
Noch nicht. Die grünliche Stange bearbeitet er anschließend mit einem stumpfen Stück Holz. Reibt darauf herum, als wolle er sie zusammendrücken. Dann folgt ein gekonnter Längsschnitt und die Unterrinde, vorher gelockert, hebt sich ab. Wie eine Haut wird sie abgezogen und rollt sich schließlich, heruntergefallen, wieder zusammen. In die großen Stücke werden die kleinen Krümel, die bei umschneiden der Astsprossen abfallen, eingewickelt. Das "Rollstück" trocknet in der Sonne und wird auf dem Markt verkauft. Dieser Teil der Rinde wird also Zimt.
Die übrigen nutzlosen Äste werden auf einen Haufen geworfen. Der helle Klang, den saftige, dünne Holzstangen beim aufeinandertreffen verbreiten, tönt angenehm in der Luft. Sie werden zu Brennholz verarbeitet. Nichts kommt um.
Wir sind begeistert, bekommen jeder so eine in Zeitungspapier gewickelte Frischrolle geschenkt. Eine junge Frau, sicher im achten Monat schwanger serviert Zimttee. Heiß, unangenehm in der Hitze, aber angenehm schmeckend.
Wir erwidern die Freundlichkeit mit der erwarteten Geldspende.
Die Fahrt in dem klimatisierten Kleinbus bringt uns zu unserer Unterkunft für eine Nacht. Der Ort heißt `Embilipitya`, liegt ziemlich abseits und soll eine Großstadt sein. Merkwürdig. Mir fallen keine anderen Häuser als die schon bekannten Bretterbuden und Palmblatthütten auf.
Die Hauptstraße, durch die wir fahren, erinnert an Ameisengewimmel. Überall tummeln sich LKW`s, Ochsenkarren, Fahrräder, unzählige Fußgänger. Ein westliches Werbeschild hängt am anderen. In all dem Farbengewirr kann man gar nicht lesen, für was geworben wird. Kinoplakate empfehlen Filme, die mich stark an die Sri Lanka Version von Rambo erinnern. Ein muskelbepackter Held, mit einem Gewehr in der verbundenen Hand. Auf dem anderen Arm ein gerettetes Kind und im Hintergrund eine unvermeidlich schöne, junge, kreischende Frau. Der Maler hatte jedenfalls Fantasie...
Unser Hotel liegt etwas außerhalb an einem Stausee. Es hat mehrere Etagen, eine Unmenge Zimmer, auch nur zwei Sterne - wirkt aber gut gepflegt. Wenige Gäste sind zur Zeit hier, es herrscht also Ruhe und Entspannung.
Durch labyrinthartige Gänge werden wir zu unserem Zimmer - fast im Keller - gebracht. Im Raum riecht es penetrant nach Mottenkugeln, sofort Fenster auf !
Ein wirklich schöner Blick bietet sich uns. Dieses Zimmer so weit unten hat seine Vorzüge. Wir blicken vom überdachten Balkon direkt auf die ruhige Wasserfläche des Sees. Es mögen nur drei Meter bis zum Ufer sein. Sanft plätschern kleine Wellen auf das grasbewachsene Ufer. Am Horizont sind Wälder und noch weiter Berge zu sehen. Von kleinen Inseln steigen Reiher auf, weiß leuchten sie in der Sonne. Eine Grillenart zirpt. Nicht so, wie man es aus dem Fernsehen, dem wilden Westen kennt, sondern in einem hellen Dauerton.
Eine kleine Kokospalme steht direkt vor dem Balkon. Ihre Blätter rascheln im kaum spürbaren Wind. Hier ist es etwas kühler, aber auch sehr viel feuchter.
Um die Ecke hören wir die ersten maulenden Kommentare der mitgereisten deutschen Touristen. Der sächsische Dialekt dringt mißtönend herüber. Die Männer, zu denen er gehört, tragen gepflegte Bierbäuche vor sich her, über denen sich Touristen T-Shirts spannen. Sie können nichts mit der verzaubernden Stille dieses Ortes anfangen.

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