Galle
Vielleicht
zehn Kilometer von Unawatuna entfernt liegt die nächstgrößere
Stadt Galle.
( Goul gesprochen ). Zur Zeit der portugiesisch- holländischen Kolonialherren
errichtet, hat sie noch heute ein alteuropäisches Flair. In den Reiseführern
steht, es sei eine sehr schöne, ansehenswerte Stadt, also beschließen
wir, sie zu besuchen.
Vor dem Hotel warten Taxis um eventuell Touristen abfangen zu können. Die
kleinen Taxis heißen hier Tshuk- Tshuk und besser hätte man sie nicht
nennen können. Im Grunde ist es ein Moped, mit einem Mopedlenker, einem
Mopedtank - auch dessen Fassungsvermögen und einem dröhnenden Mopedmotorgeräusch.
Das Ganze überdacht, der Fahrer sitzt auf einer Art gepolstertem Stuhl,
hinter ihm haben drei Personen Platz, wenn sie sich hereinquetschen. An den
Seiten ist das Fahrzeug offen, Klimaanlage also inclusive....
Wir mieten eines dieser urigen Fortbewegungsmittel, von denen man in jedem Reiseführer
liest. Fahrpreis wird vorher ausgehandelt. 100 Rupees bis Galle, das sind 3,-
DM.
Knatternd setzt sich das Ganze in Bewegung. Es geht langsam, vielleicht 30 oder
40 km/h. Sehr viel mehr ist aber auch nicht möglich, denn von überall
wird man überholt oder muß überholen.
Die Sonne brennt heiß auf einer Seite herein. In dem dröhnenden Motorlärm
kann man sich kaum unterhalten, ich schreie nach vorn, daß wir gern die
Altstadt besichtigen würden.
Eine Ziege mit Kitz überquert die Straße, Fischgeruch dringt vom
Straßenrand herein. Halbe, noch immer riesige Marlins - Tunfische - liegen
auf den wackligen Holzständen. Ein barfüßiger Mann schleppt
große Mengen der gelben Königskokosnuß auf dem Rücken.
Diese Kokosnußart ist das Allheilmittel hier. Ihre Milch soll gegen so
ziemlich alles helfen. Bauchweh, Kopfschmerzen, Kater - es schmeckt für
meine Begriffe wie Spülwasser.
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Gerade bis zur Tankstelle hat der Sprit gereicht. Der Fahrer füllt inzwischen seine Ersatz-Kanister-Flasche |
Die Einkaufsstraße von Galle. Das Flair ist den indischen Städten recht ähnlich, aber noch wesentlich sauberer |
Eine Arbeiterin bemalt ein Batiktuch. Der Geruch des heißen Wachs hängt in der Luft. |
Plötzlich tuckert der Motor und gibt auf. Problem, meint der Fahrer, springt
heraus und rüttelt irgendwo hinten am Fahrzeug herum. Vorn, unter dem Lenker
sehe ich zwei Drahtenden heraushängen. Der Anlasser ?
Der Fahrer greift unter seinen Sitz, holt eine Wasserflasche heraus, die einen
penetranten Benzingeruch verbreitet.
Aha - das ist der Reservekanister. Er füllt nach, rüttelt noch einmal,
steigt ein, fährt seelenruhig weiter.
Galle selbst ist ein hübsches Städtchen. Herrenhäuser aus der
Kolonialzeit blicken von Palmenbewaldeten Hängen auf den Hafen. Frachter
aus aller Welt laufen hier ein. Hauptsächlich aus Malaysia und Arabien.
Die Altstadt ist von einer dicken Mauer umgeben, ehemalige Wehranlage um Angriffen
von See standhalten zu können. Innerhalb der Mauern stehen heute dieselben
Häuschen, wie anderswo. Manche haben Ziegeldächer, andere sind mit
Holz gedeckt.
Unser Fahrer begleitet uns als Stadtführer. Schon klar, das er dafür
Trinkgeld erwartet. Außerdem drängelt er die ganze Zeit, wir müßten
uns beeilen, denn er wolle uns noch etwas zeigen.
Es ist Mittag, schwer auszuhalten in der Sonne. So sehr viel Sehenswertes bietet
Galle uns nicht, jedenfalls nicht, wenn einem bereits der Kopf dröhnt in
all der Hitze. Sicher gäbe es einige interessante Ecken, aber sehr viel
anziehender wirkt jetzt ein Laden, in dem es Wasser oder Cola und Schatten gibt.
Wir sind also ziemlich einverstanden, als er anbietet, uns eine "factory" zu
zeigen. Schließlich haben wir auch erst mal keine Ahnung um was es sich
handelt. Man kann dort schön einkaufen, meint er und auf den ersten Blick
sieht das ganze Bauwerk auch wie ein Kaufhaus aus. `Department Store` steht
sogar draußen dran. Gemeiner Vergleich !
Es ist der Betrieb eines älteren Herren. Vielleicht zwischen 50 und 60
Jahre alt, schlank, irgendwie zu groß für sein Gewicht, graues Haar,
teuer aussehende Brille. Er bittet uns hektisch hinein.
Das Haus liegt etwas versteckt, einige Seitenstraßen abseits hinter Bäumen.
Eine krumme Holztreppe führt hinauf. Junge Männer stehen herum, als
hätten sie nichts zu tun und sehen uns nach.
Es ist dunkel hier. Einige flackernde Neonlampen erhellen das Ganze nur wenig.
In großen, dunklen Bottichen steht Farbe an den Wänden. Batikfarbe
erklärt er uns.
An abgegriffenen, schweren Tischen sitzen einige Männer und hämmern
Goldschmuck unter trüben Lampen. Ein verstaubtes Radio, made in Taiwan,
dudelt westliche Popmusik.
Ungeduldig erklärt uns der, für diese Räume viel zu gut gekleidete
Herr, wie der Schmuck hier bearbeitet wird. Wir schauen hier und da, er drängelt
weiter
"Come on, Madam, come on...!"
Wir steigen eine schmale Hühnerleiter hinauf. Hier oben ist es luftig,
rundherum alles offen. Es scheint, wir stehen auf einer Art überdachter
Terrasse. Auch hier weiter drinnen ist es dunkel, irgendwie auch angenehm für
die Augen.
Vielleicht 20 Frauen sitzen hier, schwatzen, lachen, arbeiten. Einige von ihnen
klöppeln auf runden weißen Kissen Kragen, Deckchen, Umrandungen für
irgendetwas.
Andere fertigen Kunstwerke des Batikhandwerkes an. Sie bemalen ein weißes
Tuch, auf dem eine Art Ausmalmuster vorgezeichnet wurde, mit einem Pinsel, der
in heißes Wachs getaucht wird. Der Geruch des heißen Wachses und
das Zischen der kleinen Kochers durchdringen den Raum.
Blütenarrangements und Obststilleben zieren die Tücher. Bedächtig
werden die einzelnen Flächen ausgemalt - von beiden Seiten, damit das Wachs
auch gut durchzieht.
Eine aufwendige Arbeit. Die Batikfarben kommen aus Deutschland, meint der gutgekleidete
Herr. Von Bayer Leverkusen. Ich erwähne, das ich auch bei Bayer arbeite,
zumindest im Fotolaborbereich. Beeindruckt sieht er mich an, übersetzt
diese Information und nun bestaunen mich alle Frauen, als sei ich etwas ganz
Besonderes.
Nachdem die ersten Flächen gewachst wurden, tauchen die Frauen die Tücher,
die Farbe wird nur von den unbehandelten Stellen angenommen. Dann wird die nächste
Schicht bemalt, wieder in dunklere Farbe getaucht, getrocknet. Am Schluß
wird das brettsteife Werk gekocht um das Wachs wieder zu lösen. Tagelang
dauert eins dieser sehr filigranen Batikgemälde.
Der Herr drängt uns weiter "come on, come on, hurry". Wir wissen schon
warum, ignorieren ihn, betrachten interessiert den Frauenraum. Hier herrscht
eine gelöste Atmosphäre. Alle sind lustig, gut gelaunt, entspannt.
Die wirkliche Attraktion hier ist jedoch mein Sohn. Alle Frauen wollen ihn anfassen,
ansprechen. Er läßt das streicheln, an den Backen zupfen, Händchen
geben, gelassen über sich ergehen.
Ich frage eine der Frauen, ob die Batikbilder wirklich von beiden Seiten eingepinselt
werden müssen. Irgendwie erscheint mir das als doppelte Arbeit. Sie versteht
kein englisch. Ruft den grauen Herren mit `uncle`als Dolmetscher. Auch andere
Frauen nennen ihn `uncle`. Würde ich zu meinem Chef Onkel sagen ? Aber
irgendwie finde ich, bietet diese Art und Weise auch eine gewisse Vertraulichkeit.
Es scheint, als gehöre dies auch selbstverständlich zu Sri Lanka.
Endlich hat er es geschafft, hat uns zu seinem Verkaufsraum dirigiert und bittet
nun sehr nachdrücklich hinein. Wir tun so, als verstehen wir nicht, meinen,
wir hätten keine Zeit und gehen. Nun ist er allerdings sauer.
Unser Fahrer scheint gar nicht zu verstehen, daß wir nichts zum kaufen
gefunden haben. Er bietet uns die nächste factory an. Dort gibt es sicher
etwas für sie, meint er. Ich weise ihn energisch darauf hin, das wir nun
genug haben, und irgendwann begreift er, fährt uns langsam wieder nach
Hause. Nicht, ohne unterwegs immer mal wieder daraufhingewiesen zu haben, das
hier und da noch ein Juwelier, eine Schnitzerwerkstatt, eine Edelseinschleiferei
sei. Schließlich hängt seine Provision daran.
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Das ist mein Lieblingsfoto |
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