Geschäftliches

Bleibt noch das Problem der Fassung. In Deutschland würde ich dabei arm werden. Also gehe ich zurück zu dem Juwelier hinter den schiefen Palmen, bei dem ich bereits ein paar Ohrringe mit blauen Topasen habe anfertigen lassen. Oh - vergaß ich das zu erwähnen ?
Wie immer freut er sich mich zu sehen. Wir schwatzen über Wetter und Land und Leute. Heute lasse ich mich redselig darauf ein. Dann zeige ich ihm den Stein. Ich möchte ihn gefaßt haben als Anhänger, genauso wie der, den ich bereits habe.
( Mittlerweile weiß ich, daß gerade dieser Juwelier zu üppigen Goldübertreibungen neigt und möchte ein protziges Ergebnis vermeiden ) Ich habe mich auch schon umgehört. Die Konkurrenz würde ihn für durchschnittlich 80,- DM fassen lassen. Mir wird klar, wer hier das Meiste verdient.
Auch er rechnet umständlich auf einem Taschenrechner und kommt auf knapp 100,- DM. Ich lache, sage das könnten andere billiger und er als mein Freund - was er ja immer betont - hätte sicher einen besseren Preis. Er wiegt den Kopf und fragt, was ich maximal geben würde. 70,- DM sage ich, er ist einverstanden. Ich frage mich mißmutig, wie weit herunter ich hätte gehen können.
Dann meint er, er hätte ein Geschenk für mich. Als guten Kunden und Freund. Ich könnte mir einen Stein aussuchen, der zu meinem Geburtsmonat gehört. Das wäre im Mai Turmalin. Ich grübele, wo hier der Haken ist, wähle aber erst mal aus der Schachtel. Es sind soviele unterschiedliche Farben. Helles Gelb, leuchtendes Orange, sattes Beige, dunkles Braun. Ich entscheide mich für einen runden Stein in dunklem Orange und warte auf den Haken.
Naja meint er, der Stein wäre das Geschenk, aber die Fassung müßte ich leider bezahlen. Ich lächle zurück und meine, dann nehme ich den Stein eben so. Er guckt.
Aber als Ring wäre er schön. Ich trage keine Ringe. Oder ein Ohrring. Dafür ist er zu groß. Na gut, eben als Kettenanhänger. ich zögere. Er reicht mir die Hand über den Tisch und sagt laut:
"Denk nicht an das bißchen Geld, beides zusammen 100,- DM. Die Fassung für deinen Stein und das Geschenk. Schlag ein".
Ich tue es. Frage mich im Gehen wer jetzt wen über den Tisch gezogen hat und komme zu dem Schluß daß hier jeder sein Geschäft gemacht hat. So oder so.
Hinterher packt mich die Gehässigkeit. Ich hätte `Juli` sagen sollen - da ist es nämlich der Rubin... Oder klammert er Juli aus ?
Jetzt, wo ich diese Erzählung schreibe, trage ich meinen blauen Stein und wechsle die anderen entsprechend passend zur Kleidung. Verrücktes Sri Lanka - verrückte Touristen.
Im Schaufenster "meines" Juweliers liegt ein Riesenstein. Ein Smoke-Topas, so groß, daß eine Männerfaust ihn nicht umschließen kann. Facettenreich geschliffen, wie ein Diamant. Durchsichtig wie brauner Kandiszucker. Was macht man damit, frage ich ? Einen Ring ?

Das ist Mohammeds Vater, der hier den Riesen-topas zeigt. Um es vorweg zu nehmen : Er schläft nicht! Das Foto hat halt nicht so geklappt.
Der kleine Juwelierladen ist kaum größer als hier zu sehen. Mit Tresor, so hoch wie der ganze Raum, Klimaanlage und das Ganze zwanzig Meter vom indischen Ozean entfernt.

Nein, bekomme ich zur Antwort, Touristen kaufen so etwas. Als Briefbeschwerer, oder Türknauf. Dieser Stein hätte über 600 Karat, mit 700 $ müßte man da schon rechnen.
Ich sags ja - verrückte Touristen.

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