Der Schrecken aller Porzellanbesitzer!

Der schlimmste aller Fälle!

Porzellanpferde (und alle anderen Figuren natürlich auch), so schön und teuer sie sind, haben einen großen Nachteil.
Sie reagieren allergisch auf Katzen, die das Regal inspizieren wollen, auf
Kinder, die herumtollen, auf Männer, die Staubwischen. Und schneller als
erwartet sind sie eines Beines, des Schwanzes, der Ohrspitze und ihres
Wertes beraubt.
Zum Glück kann man gerade diese Brüche relativ einfach beheben. Mancher hat
jedoch nicht den richtigen Kleber, daher hier eine kleine Beschreibung, wie
ich meine Bruchpiloten geheilt habe.

Das andere Extrem - Keramik:
Figuren aus Keramik lösen sich in den meisten Fällen in mehr als zwei Teile
auf, wenn sie gegen etwas stoßen. Reparatur ist da selten ohne
Schönheitsfehler möglich. Der Grund liegt in der Beschaffenheit des
Materials. Es ist poröser.
Ebenso poröser ist auch billiges Porzellan. Pferde aus billigem, also
leichterem Porzellan neigen ebenfalls eher zum Splittern als zum Brechen.
Eine optisch gute Reparatur ist da schwer.
Teures Porzellan, so wie es von den Markenherstellern kommt - Kaiser,
Goebel, Hutschenreuther auch Franklin Mint und Breyer - bricht "besser" und
läßt sich fast unauffällig kleben.
Nun ist das Bein ab - was tun?

Der beste Fall im schlimmsten Fall
Ein glatter Bruch, ohne Splitter. Glasierte Figuren neigen eher zu
Splitterbrüchen, da die Glasur außenherum andere Brucheigenschaften als das
Porzellan innen hat. Da wäre es gut, die Splitterchen zu finden. Aber meist
ist das utopisch, zudem ist es ein fürchterliches Puzzle. Da geht es nur
noch mit Spachtelmasse, aber da habe ich noch keine geeignete
gefunden.
Weißes Porzellan ist nicht weiß. Es hat einen hohen Blauanteil,
handelsübliche Spachtelmasse weist einen hohen Gelbanteil auf. Daher fällt die
Reparatur am Ende fast immer auf.
Nehmen wir also an, es wäre ein Bein glatt abgebrochen von einer
unglasierten Figur. Meist ist der erste Griff der zu einer Tube Klebstoff, auf der steht:
"geeignet für... Porzellan u.ä."
Das ist verhängnisvoll! Solche Klebstoffe sind leider oft Uhu oder Pattex,
wie in den meisten Haushalten. Diese Kleber sind aber erstens
bräunlich, zweitens ziehen sie gern Fäden und drittens sind sie dickflüssig.
Aber ein glatter Bruch kann nur dann (fast) unsichtbar repariert werden, wenn
sowenig wie möglich Fremdstoff zwischen den Bruchstellen ist. Mit jedem
Mikrometer mehr "sperrt" der Bruch, das Bein verzieht sich - also kippt -
oder die Bruchstellen bleibt sichtbar.
Der meiner Erfahrung nach beste Kleber ist Sekundenkleber. Der hat nun
überhaupt nichts mit Porzellan zu tun, aber er hat mehrere Vorteile. Er ist
durchsichtig, flüssig wie Wasser und hält sofort. Das ist auch sein
Nachteil.
Bevor die Teile geklebt werden, sollte man üben, die Teile genau aufeinander
zu drücken. Sie haben nur eine Stellung, in der sie 100%ig passen, genau die
muß gefunden werden - einen zweiten Versuch gibt es nicht.
Den Kleber nicht mit Tube oder Flasche auf die Bruchstelle bringen.
Stattdessen einen Tropfen auf ein Stück Papier geben, mit einem Zahnstocher
ein bißchen in die Mitte der Bruchstelle tupfen. So dringt an den Seiten am
wenigsten heraus. Gleichzeitig muß es auch genügend Kleber sein, denn wenn
es klebt, klebt es!
Dann die Teile zusammendrücken, aufeinanderpressen, vielleicht anhauchen.
Der Kleber härtet durch Kontakt mit Luftfeuchtigkeit aus.
Herausquellenden Kleber schnell mit den Fingern abwischen. Das ist zwar
unangenehm, aber Lappen haben Nachteile - es dauert zu lange und Fusseln
bleiben kleben. Zudem kann man den Kleber mit den Fingern etwas verwischen,
so daß er matt wird und am Ende nicht glänzt.
Ein Wiederlösen gibt es nicht! Der Kleber, der dann auf Bein und Rumpfstück
klebt, läßt sich nicht mehr 100%ig lösen und verhindert ein genaues Passen für den
zweiten Versuch. Man kann ihn grob abkratzen mit einer Messerspitze oder
einem Skalpell, aber völlig wird er nur in seltenen Fällen verschwinden...
Von den Fingern wäscht er sich nach und nach ab, sollte es viel geworden
sein, hilft auch Sandpapier um ihn von den Fingern zu schmirgeln. Das
Wichtigste ist ja die Figur, die Finger bekommt man schon wieder sauber.
Eine solche Klebung ist völlig unsichtbar, was man lediglich sieht, ist die
schmale Fuge, hervorgerufen durch die Menge des Klebers.

Unsaubere Klebestellen
Wie gesagt - meist hat man Pattex oder soetwas zur Hand. Eine weiße Figur
hat dann oft einen braunen Kleberand, vielleicht auch noch Kleberfäden auf
dem Körper... manchmal verrutschen die Beine oder Schwanz bis alles fest
ist... sehr unschön.
Auch solche Pferde habe ich schon bekommen. Sind sie mit Pattex oder Uhu
geklebt (oder Klebern auf derselben Basis), kann man das auch recht einfach
korrigieren.
Zuerst muß der Kleber wieder ab, das Bein wieder vom Rumpf. Auf keinen Fall
"brechen", es würde splittern! Wenn schon auf diese Weise, dann, indem man
das Bein gerade vom Körper wegzieht. Dann löst es sich manchmal, schnappt
aber meist wieder zurück.
Kleber dieser Art lösen sich gut in heißem Wasser. (heiße Trockenheit läßt
sie fest werden) Ein weißes oder ein glasiertes Pferd kann man in die Geschirrspülmaschine stellen, mit Bemalten ohne Glasur würde ich das aber nicht probieren!
In dem Falle das Pferd in heißes Wasser legen. Es sollte nicht kochen. Sehr
zierliche Pferde (Hagen Renaker Minis) können auch in heißem Wasser platzen,
also besser das Wasser mit Pferd drin erhitzen, damit sich das Material an
die Hitze gewöhnt.
Dann das Bein vom Körper wegziehen, der Kleber wird sich lösen.
Er kann dann in Röllchen abgerollt werden. Chemisch geht diese Restreinigung
mit Aceton. Es reagiert mit diesen Klebern, löst ihn ab. Aceton ist schwer
zu beschaffen und extrem aggressiv. Sollte also nur bei hartnäckigen oder
kostbaren Fällen in Betracht gezogen werden. Verdünnungen auf Nitro- oder
Alkitharzbasis funktionieren in diesem Falle nicht. Nagellackentferner ist
also wirkungslos.
Auf jeden Fall muß sämtlicher Kleber entfernt sein, dann kann man mit dem
oben beschriebenen Reparieren beginnen.
Vor dem Kleben am besten die Bruchstelle entfetten - das geht mit Alkohol
oder Äthanol, oder auch mit Nitroverdünnung. Fett- oder Körperschweiß
vermindert die Haltbarkeit von Sekundenkleber - vor allem bei so kleinen
Dosierungen.

Viel Erfolg wünsche ich, auf diese Weise habe ich insgesamt fünf meiner
Porzellanfiguren wieder hinbekommen. Das "Glanzstück" hierbei ist der Adler
von Franklin Mint.

Diesmal keine Pferdefigur - auch anderen Tieren passieren diese Katastrophen.
Diesen Adler von Franklin Mint (Neupreis ca 500,-)
Höhe ca 42 cm

Adler

konnte ich ersteigern, bekam ihn jedoch völlig unpassend verpackt zugeschickt. Wo andere Verkäufer ihre Waren verpacken, als wolle man sie aus dem Flugzeug abwerfen, war dieses zerbrechliche Stück in einen Karton gepackt worden, der gerade mal 2cm größer war als er selbst! Was nützt da alles polstern, wenn der geringste Stoß von außen sich auf die Figur innen auswirken kann?

zerbrochen

Die einzelnen Federn sind meist gerade mal einen Millimeter dick, ein Wunder, daß er überaupt in so gutem Zustand bei mir ankam.
Zwei Federn waren bereits früher abgebrochen, wie der Verkäufer sagte. Hier sieht man, wie eine "herkömmlich" mit Pattex geklebte Stelle aussieht.

zerbrochen

Obwohl ich ihn hätte zurückgeben können, einigten wir uns auf Preisnachlaß und ich flickte ihn mit meiner Methode wieder zusammen.
Von vorn ist überhaupt nichts mehr zu sehen!

Federn

Von hinten sieht man die weißen Stellen, die von den Absplitterungen stammen.
Das konnte ich leider nicht verhindern.



auch aus diesem Blattsalat konnte ich
noch etwas retten.

Heute sieht man dem Stück nichts mehr an.
Nicht überzeugt? :-)
Hier zu sehen.

Hier noch ein dokumentierter Fall bei dem rein gar nichts zu kitten war...
Die Figur wurde mir geschickt in einem winzigen Karton, gerade mal so groß wie sie selbst. Der Karton war beschädigt, beim Auspacken fand ich dies:


die winzigen Splitterchen waren gar nicht zu zählen...